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momentaufnahmenWenn halt auch einmal Schluss gemacht sein soll

Es stürmt an diesem Abend so heftig, dass die Sonnenschirme, unter denen wir Späti-Besucher*innen gerade noch unsere Getränke genossen haben, ­nurmehr dazu dienen, das Wasser in Strömen über uns zu schütten. Also suchen wir Zuflucht im Inneren des Ladens am Reuterplatz. Doch der Späti-Besitzer fängt sofort an zu schreien: „Raus, raus mit euch, habe ich gesagt! Raus!“

Er ist nicht zum ersten Mal unfreundlich, diesmal aber geht er zu weit, denke ich, und sage es ihm auch. Weil er darauf nicht reagiert, beschwere ich mich darüber, dass ich nach zehn Jahren als Kundin so behandelt werde. „Komm mir nicht mit deinem Zehn-Jahre-Müll“, sagt er. „Wie bitte?“, frage ich. Er schweigt. „Okay, fünf Jahre?“, entgegne ich, noch immer schockiert. Er lacht, während er etwas abkassiert. „Zehn Jahre“, wiederholt er kopfschüttelnd. Dann hebt er eine Hand, winkt zu mir und sagt: „Na dann, Bye-bye nach zehn Jahren. Tschüssi, Ciao!“ „Ja, Bye-bye …“, antworte ich.

Berlin-Neukölln

163.200 Ein­wohner*innen.

Der Reuterkiez im Norden des Ortsteils „ist lebendig, bunt – und sehr, sehr hip“, schreibt Berlin.de, das offizielle Hauptstadtportal: „Er ist zum Sehnsuchtsort geworden für die Jungen und Junggebliebenen, die Expats, Abenteuerlustigen und Nachteulen.“

Ich stehe noch eine Weile draußen im Regen. Es fühlt sich schlecht, aber auch seltsam an – als hätte er mit mir Schluss gemacht, obwohl ich ihn schon längst hätte verlassen ­sollen.Luciana Ferrando

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