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momentaufnahmenWenn gar nichts planlos aus dem Ruder läuft

Plötzlich verstummt die Musik. Keine Kunstpause, ehe der Bass einsetzt – DJ Konfusia muss ihr Set zur Eröffnung der Turmbühne beim alternativen Fusion-Festival frühzeitig abbrechen. In die Verwunderung des Publikums kommt eine Durchsage vom Band: „Liebe Festival-Besucher*innen, aufgrund eines Gewitters bitten wir Sie das Gelände zu verlassen.“ Angesichts des strahlend blauen Himmels blicken viele ungläubig umher. Und sehen: eine dichte Rauchwolke im nördlichen Bereich des alten Flugplatzes.

Was dann passiert, widerspricht jedem Vorurteil über planlose Linke. Überall tauchen Hel­fe­r*in­nen in Warnwesten auf und bitten freundlichst, das Gelände Richtung Landebahn zu verlassen. Einige verteilen Wasser-Tetra-Paks, andere sperren Bühnen mit Flatterband ab. Die Gasflaschen an Ständen und Bühnen sind bereits abmontiert. Die Gäste ziehen gelassen von dannen.

Lärz

460 Ein­wohner*innen.

Immer zur Fusion-Zeit findet sich in dem Nest in Mecklenburg-Vorpommern auf dem ehemaligen Militärflugplatz eine Art Parallelgesellschaft ein mit Zehntausenden, die, wie die Veranstalter sagen, einem „Ferienkommunismus“ frönen.

Auf der Evakuierungsfläche spielt die Electrobrassband Fülü spontan ein Konzert und rührt Be­su­che­r zu Freudentränen. „Das war das Tollste, was ich in 10 Jahren Fusion erlebt habe“, sagt einer. Nach zwei Stunden ist das Feuer unter Kontrolle, die Party geht weiter. Erik Peter