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momentaufnahmenWenn der Glauben doch erst mit dem Sehen kommt

Martha Argerich kommt. DIE Martha Argerich, Göttin des Klaviers, Herrscherin der musikalischen Geister. Die Hamburger Laeiszhalle ist ausverkauft, alles drängt sich und will die Treppen hoch in den Konzertsaal.

Und als wir dann oben sind, im selben Saal, aber viele Meter getrennt von ihr, steht der Flügel zum Glück so, dass Martha Argerich von überall zu sehen ist. Sogar von der Seiten­empore aus sehen wir sie von hinten, wir sehen ihr schwarzes Kleid, das lange weiße Haar. Sie ist jetzt 84, sie wirkt schmächtig. Vor ihr auf den Saiten liegt ein zerknülltes Taschentuch.

Prokofjew, drittes Klavierkonzert! Höllisch. Ein elektrischer Schlag geht durch den Raum, Argerich hebt ab. Doch kann das, was wir hören, überhaupt sein? Geht das mit rechten Dingen zu? Wenn etwas geschieht, das die Menschen nicht verstehen, brauchen sie Beweise. Und so erhebt sich oben auf der Seitenempore das Publikum aus den Sitzen und schaut hinab, wo die Hände von Martha Argerich wie von selbst über die Tasten fahren. Klangwolken stäuben und glitzern. Es ist grandios.

Hamburg-­Neustadt

12.620 Einwoh­ner*innen

Der zentral gelegene Stadtteil reicht vom Michel bis an den Jungfernstieg. Die 1908 erbaute Laeiszhalle liegt am Rande und war bis zur Eröffnung der Elbphilharmonie das erste Haus am Platz.

Martha Argerich war hier. Wir haben ihre Hände spielen gesehen. Daniel Wiese