hitzschlag:
In Kroatien lässt es sich an der Adria zwar tagsüber aushalten. Aber bei der Trockenheit ist die Angst vor Bränden groß, auch wenn die Feuerwehr wachsam ist
Foto: Davor Puklavec/Pixsell/imago
Aus Split und Sarajevo Erich Rathfelder
„Das Schlimmste sind ja nicht die Tage, sondern die Nächte“, stöhnt die 38-jährige Nada aus Zagreb. Sie hatte sich so auf den Urlaub auf einer der kleinen Inseln bei Split gefreut. Gemeinsam mit ihren drei Kindern und ihrem Mann kommt sie schon seit Jahren hierher zu den Inseln Veliki Drvenik und Šolta zwischen den Städtchen Trogir und Zadar.
Dort gibt es statt einer Wasserleitung nur einen Wassertank. „Wir lieben das einfache Leben“, sagt Nada, als sie ein paar Feigen vom Baum vor ihrem Häuschen pflückt. „Morgens sind wir fischen gegangen. Doch jetzt ist die Hitze sogar in der Nacht so unerträglich, dass ich nicht mehr schlafen kann.“
Tagsüber hielten auch die Kinder die 38 Grad noch aus: „Wir haben Wasser, Schatten und das Meer“, sagt Nada. Doch nachts gehe es ihr persönlich schlecht. Ihr sind dann die über 30 Grad zu heiß. Sie brauche doch Abkühlung: „Wir haben ja hier keine Klimaanlage.“
Zudem bedrückt sie die ständige Feuergefahr. Entlang der gesamten kroatischen Adriaküste knistert das trockene Gestrüpp bei jedem Schritt. „Nur einen Funken braucht es, dann steht das alles hier in Flammen“, sagen die freiwilligen Feuerwehrleute in dem kleinen Hafendorf Slatine auf der Insel Ciovo. Sie halten Tag und Nacht mit ihren Ferngläsern Ausschau und sind in Einsatzbereitschaft. Denn sie werden auch zu den Hotspots anderswo gerufen.
„Die kroatischen Feuerwehrleute sind auf Zack“, sagt anerkennend Daniel. Der Mann aus dem Ruhrpott lebt gemeinsam mit seiner Frau Ana im Dorf. Ihn beruhigt es, dass die Löschflugzeuge ständig einsatzbereit sind. Zeigt sich Qualm am Horizont, sind sie sofort zur Stelle. Sie holen dann Wasser aus dem Meer und kippen es auf die Brandstellen. Das eigentlich lästige Motorengeräusch der Löschflugzeuge „wird so zur Musik“, freut sich ein Tourist aus Österreich. Bisher hat es Slatines Feuerwehr geschafft, die Insel Ciovo vor den Bränden zu bewahren.
Doch wie lange noch? Am Dienstag dieser Woche kletterte das Thermometer in Split auf 40 Grad. Das ist ein neuer Rekord. Wenn nicht bald Regen kommt, bleibt die Lage sehr gefährlich. Die Folgen des Klimawandels kann man nicht mehr ignorieren, wie es in Deutschland die AfD macht, und es auch in Kroatien die Rechte und damit die Machthaber tun. Natürlich sind die kleinen Leute, die aus ihrem grünen Garten einen Parkplatz gemacht haben, nicht grundsätzlich an der Katastrophe schuld. Sie brauchten Parkplätze für Touristen. Ohne „parking“ kein Geschäft.
Dass jedoch niemand, ob alt oder jung, in diesem Dorf wie an der gesamten Küste ernsthaft über Alternativen diskutiert. Dass man stattdessen alles hinnimmt, wie es ist, also dem Schicksal überlässt, wiederholt nur die Geschichte von anderswo. Auch in Deutschland wurden Warnungen zunächst weitgehend ignoriert. Aber dann wurden doch zumindest einige Konsequenzen gezogen. In Kroatien jedoch werden Naturschutzgebiete, statt sie zu schützen, ohne große Proteste nach und nach verkauft und zerstückelt.
Das könnte sich jetzt endlich ändern: Denn nun wurde ein Umweltskandal ungeheuren Ausmaßes bekannt. Donje Biljane – ein in kleines Dorf im dalmatinischen Hinterland – steht seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten im Schatten eines giftigen Hügels, dem schwarzen Berg.
Was 2010 mit anrollenden Lastwagen begann, hat sich zu einem der gravierendsten Umweltskandale Kroatiens entwickelt. Hier wurden rund 140.000 Tonnen Silikonmanga- und Ferromangangschlacke aus einer stillgelegten Fabrik in Šibenik abgekippt. Die Schlacke enthält erhöhte Konzentrationen gefährlicher Substanzen und weist darüber hinaus noch eine Radioaktivität auf, die über den zulässigen Grenzwerten liegt.
Die Deponie ist der kroatischen Regierung und der EU seit Jahren bekannt. Die Anwohner:innen sehen einen Zusammenhang zwischen der Deponie und Krebserkrankungen. Die giftige Schlacke bedroht das Grundwasser der Region. Wer möchte da noch selbst bei der allergrößten Hitze Wasser aus der Leitung trinken?
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