herzensort: Sommer, Sonne und die Trauer
Rund 3.000 Kilometer entfernt liegt die erste Heimat meiner Eltern: im Norden der Türkei, am Schwarzen Meer. Ein Ort, der früh zu meiner zweiten Heimat wurde. Zu viele Sommer habe ich dort in endlos scheinenden Schulferien verbracht. Die Fahrt dorthin dauert fast drei Tage. Mit dem Auto durch Österreich, Ungarn und den Balkan bis nach Istanbul, dann weitere acht Stunden nach Abana.
Die Sommer meiner Kindheit waren verregnet. Das Meer tobte, die Wellen brausten meterhoch. Vor einigen Jahren brachte die Klimakrise die Hitze und ein warmer Spätsommer die Trauer.
An einem Freitagnachmittag lag die Sonne auf unseren Rücken, die Haut spannte. Die Füße im Sand vergraben, ruhte unser Blick am Horizont. Das Wasser war klar, der Himmel blau. Wir lachten, wir schwiegen. Gemeinsam schmiedeten wir Pläne für den nächsten Tag. Was wir nicht wissen konnten: Es waren die letzten gemeinsamen Stunden mit meinem Baba. Noch heute, wenn ich die Augen schließe, bin ich wieder in Abana. Dort, wo die Erinnerungen mit ihm verbunden sind – Heimat und Sehnsucht. Rumeysa Ceylan
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