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herzensortWo alles Wetter und Felsen gehört

Norden ist die traurigste Himmelsrichtung. Das mag unfair sein, wegen Polarlichtern, schwedischer Seen und schottischer Graslandschaften, aber in der Regel gilt die Regel: je Norden, desto brrrrr.

Wer also im Spätsommer aus der Mittelmeerregion Richtung Deutschland fährt, beginnt schon auf der Rückreise mit dem Haltbarmachen. Leg dir die Wärme ein, heb dir die Düfte auf, kann man Sommersprossen konservieren bis Februar? Die Straße schlängelt sich durch die Alpen, und aller Abschied ist schwer.

Bis plötzlich, auf halber Strecke zwischen Heimweh und Fernsucht, die Erde als wunderschöne Fremde erscheint. Ist das unser Planet, oder ein anderer? Auf dem Julierpass in Graubünden, 2.284 Meter über dem Meeresspiegel, gehört alles den Felsen und dem Wetter. Der Mensch hat sich zwar hindurchasphaltiert, aber ist hier oben doch unausweichlich winzig, bloß ein Durchreisender, egal wie laut sein Größenwahn. Aussteigen, einatmen. Tatsächlich, so scheint es, ist von hier aus jede Richtung schön. Und wer noch zweifelt, tröstet sich hinter der nächsten Kurve gen Norden mit einem Teller Bündner Gerstensuppe. Lin Hierse

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