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Was steht da unter dem Foto?

Die „tazzige Bildunterzeile“ ist ein eigenes Genre und widersetzt sich jeglichem journalistischen Standard. Die Le­se­r*in­nen informiert man dabei nicht darüber, wo und wann das Foto aufgenommen wurde und zu welchem Anlass. Stattdessen wird versucht, meistens sehr ­kreativ, den Geist des Textes in wolkigen Worten unter das Bild zu setzen. In den Anfangszeiten der taz machte diese Fertigkeit durchaus Sinn.

Denn nur der Text konnte direkt an die Druckereien übertragen werden. Die Fotos und die Anzeigen mussten täglich als Luftfracht in der Hamburger und Frankfurter Druckerei ankommen. Die Fotoredaktion hatte nach der Redaktionskonferenz knappe 90 Minuten Zeit, die Fotos auszuwählen. Und zwar für Artikel, die noch nicht geschrieben waren, und für Texte, für die noch nicht mal eine Idee existierte. Deshalb gab und gibt es im taz-Handarchiv Fotomappen mit Begriffen wie Atmosphärisches, Mimik, Grafisches oder Gesten.

Unter diesem Motto schreiben wir in Reportagen und einer Kolumne auf, was uns bis zum Ende der gedruckten Werktagstaz erinnernswert scheint: Viel Holz also noch bis zum 17. ­Oktober. Alle Zukunftsinfos unter taz.de/­seitenwende.​

In der Not gingen gerasterte Bilder auf die Reise, man sah etwa einen Puppenkopf auf der Straße oder die nächtlichen Schatten von Menschen. Die Re­dak­teu­r*in­nen waren also gezwungen, durch die Bildunterschrift einen inneren Zusammenhang zu konstruieren. Dafür brauchte es viel Fantasie und eine gewisse Lässigkeit. Die Fotoredaktion hatte erst Feierabend, wenn die Druckerei die Fotokistenankunft bestätigte. Sollte das nicht passiert gewesen sein, musste sie Karikaturen und Strichzeichnungen faxen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Isabel Lott ist seit 1989 bei der taz und leitet die Fotoredaktion.

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