doppelblind: Wie Kolonialismus Waldbrände in Australien befeuert
Worum geht’s?
Der Purghagoolah-See liegt zwischen Eukalyptusbäumen in einem Nationalpark im Südosten Australiens. Er ist 22 Meter tief. An seinem Grund findet sich die Antwort auf die Frage, warum Waldbrände in Australien seit dem Kolonialismus viel größer und verheerender wurden. Diesen Zusammenhang beschreiben Forschende in einer Studie,die im Oktober im Fachmagazin Natureveröffentlicht wurde.
Die Studie
Die Forscher*innen wollten verstehen, wieso der Wald im 19. Jahrhundert durchschnittlich nur alle 40 Jahre richtig doll brannte und heute alle 5. Kein Wunder, könnte man meinen, Klimawandel. Doch nur auf das Klima zu schauen, verstelle den Blick auf historische menschengemachte Faktoren, die Brände begünstigen, so die Autor*innen.
Sie untersuchten also, wie die indigenen Bewohner*innen mit dem Wald in der Region umgingen, bevor die Brit*innen sie im 19. Jahrhundert vertrieben oder ermordeten. Regelmäßig verbrannten sie kleine Teile des Waldes. So sorgten sie dafür, dass weniger leicht entflammbares Holz am Boden liegen blieb, der Wald überhaupt weniger dicht war – und damit auch weniger brennbar. Sie verhüteten Feuer mit Feuer. „Kulturelle Brände“ nennt man die Technik heute.
Um zu zeigen, wie gut das Waldmanagement der indigenen Bewohner*innen gegen große Brände half, arbeiteten die Forscher*innen mit Vertreter*innen der Gunaikurnai Land and Waters Aboriginal Corporation zusammen. Sie schauten sich 1.000 Jahre der Geschichte des Waldes rund um den Purghagoolah-See an. Dazu griffen sie auf Erinnerungen der indigenen Gemeinschaft zurück. Und sie gruben im See nach Hinweisen.
Von der tiefsten Stelle nahmen sie einen 1 Meter langen Bohrkern aus dem Boden und extrahierten daraus Proben im Abstand von halben Zentimetern, die sich über die Jahrhunderte angelagert hatten. Sie untersuchten die Pollen darin, die auf bestimmte Pflanzen hindeuteten, und Spuren von Kohle, um die Temperatur von Bränden zu schätzen.
Sie konnten zeigen, dass die Vegetation sich vom offenen Baumland zu dichten Eukalyptuswäldern verändert hat und es viel heißere und intensivere Brände gab. Und zwar abrupt von der Mitte des 19. Jahrhunderts an, also ab Beginn des Kolonialismus in dieser Gegend. Wo früher dank der vielen kleinen, von den indigenen Menschen gelegten Brände offenes Baumland war, wuchsen seit der britischen Invasion dichte, leicht entflammbare Eukalyptuswälder. Ein Teufelskreis: Nachdem es gebrannt hat, wächst besonders gut wieder Eukalyptus, der besonders gut brennt.
Was bringt’s?
Neue wissenschaftliche Studien stellen wir jede Woche an dieser Stelle vor – und erklären, welchen Fortschritt sie bringen. Sie wollen die Studie im Internet finden? Jede hat einen Code, hier lautet er: doi.org/10.1038/s41586-026-11097-z
Die Forscher*innen schlagen vor, die indigene Technik wiederzubeleben. Ob das überall hilft, müsse noch untersucht werden. In einigen Orten Australiens wird das schon gemacht – wie in den 60.000 Jahren vor der Invasion.
Amira Klute
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