doku: Komm, Teufel, geh!
Ein ZDF-Film beschäftigt sich zu Pfingsten mit Geistern und ihrer Austreibung
Das Timing ist schon mal gut. Zwar weiß laut Umfragen nur etwas mehr als die Hälfte der Deutschen, dass Pfingsten etwas mit einem heiligen Geist zu tun hat; und ob sie es genauer wirklich wissen wollen? Pfingsten bleibt ja jedenfalls ein liebliches Fest, und ein Geist ist auf jeden Fall interessant. Und wenn wir so weit sind: Wenn es heilige Geister gibt, kann es da nicht auch unheilige geben, liebe Engel eben und dann auch böse, Dämonen, den Teufel gar? Und falls wir den Beistand der guten Geister herbeibitten können, ist es dann nicht auch logisch, dass sich böse Geister mit mehr oder weniger professioneller Hilfe austreiben lassen?
Auf solche Spekulationen lässt sich der an Pfingstmontag ausgestrahlte ZDF-Film „Der Teufel in mir – Exorzismus heute“ ein und hat so immerhin das Verdienst, dass eine Wirklichkeit aus dem Verborgenen katholischer Kreise und aus gar nicht so verborgenen freikirchlichen Social-Media-Abgründen geholt wird. Dass er das dauerraunend tut und so – nicht sehr gelungen, muss man sagen, weil mit zu billigen formalen Mitteln – eine Atmosphäre des Unheimlichen zu erzeugen sucht, muss man den Autoren Max Damm und Emely Sporrer vorwerfen: vor allem, weil ihre Recherchearbeit, also insbesondere die Suche nach aussagekräftigen Protagonisten, gelungen ist.
Da ist der katholische Pater und Psychotherapeut Dr. Jörg Müller, der mit seinen Vorträgen zum Exorzismus Pfarreien füllt und dessen Ausräucherung angeblich durch Nachbarneid verfluchter Kuhställe man nicht ohne Rührung betrachtet – jedenfalls als katholisch sozialisierter. Da sind evangelikale junge Menschen, die von ihrem Leid durch Exorzismus, aber auch von ihrer Freude an „Befreiungsdiensten“ erzählen. Da ist aber auch die obligatorische Expertin, die einerseits das verschwörungstheoretische Substrat exorzistischer Welterklärung offenlegt, aber es am Ende doch für im „Ungewissen“ liegend erklärt, ob es den Teufel nun gibt oder nicht. Und wissen wir es besser? Gewiss. Aber um uns geht es ja nicht, sondern um Angebot und Nachfrage in einem obskuren Business, das von starken Sehnsüchten getrieben ist, denen der Film Gesichter gibt. Ambros Waibel
„Der Teufel in mir – Exorzismus heute“,25. 5. um 17.30 Uhr im ZDF
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