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die kinderfrageMüssen Ärz­t*in­nen manchmal Organe in den Händen halten?

Wir wollen von Kindern wissen, welche Fragen sie beschäftigen. Jede Woche beantworten wir eine. Diese Frage kommt von Ferdi, 10 Jahre alt.

Ein echtes Organ in den Händen halten – puh, da wird vielen Menschen allein bei der Vorstellung schon ganz schwummrig. Zum Glück gibt es viele Ärzt*innen, die das gar nicht ekelig finden. Sonst könnten sie vielen kranken Menschen gar nicht helfen. Wie Dr. Karl Hillebrandt zum Beispiel. Er arbeitet als Chirurg an der Charité, einem großen Krankenhaus in Berlin. Der Begriff Chirurg leitet sich vom altgriechischen Wort cheirurgía ab. Wörtlich übersetzt bedeutet es „Hand­arbeit“ oder „Handwerk“. Hillebrandt hält ziemlich oft Organe in den Händen, manchmal sogar vier Stück am Tag!

Vielleicht hast du schon mal das Wort „transplantieren“ gehört. Das bedeutet, dass etwas aus einem Körper herausgenommen und in einen anderen eingesetzt wird. Als ob man eine Blume aus einem Topf ausgräbt und in einen anderen wieder einpflanzt. Sie kann im neuen Topf Wurzeln schlagen und weiterleben. Auch Organe können das. Das ist wichtig, wenn jemand krank ist und ein Organ nicht mehr funktioniert. Oft kann der Person dann nur das Leben gerettet werden, wenn jemand anderes ihr ein neues spendet.

Die meisten Spenden kommen von Menschen, die gerade gestorben sind, ihre Organe also nicht mehr selbst brauchen. Dann muss es schnell gehen, damit die Organe weiterverwendet werden können. Sie werden aus dem toten Körper herausoperiert, in Kühlboxen gepackt und dorthin transportiert, wo jemand anderes sie gerade braucht. Zum Beispiel ins Krankenhaus zu Dr. Hillebrandt. Er und seine Kol­le­g­*in­nen packen das gekühlte Organ dann aus, machen es sauber und schauen, ob es noch in Ordnung ist. Wenn alles passt, kann es in den neuen Körper eingesetzt und darin angenäht werden.

Hast du auch eine Frage? Dann schreib sie uns an kinderfragen@taz.de

Dr. Hillebrandt transplantiert zum Beispiel manchmal Lebern. Die Leber ist unter anderem dafür zuständig, dass die Nährstoffe, die wir mit dem Essen aufnehmen, in unserem Körper verarbeitet werden. Sie hat eine besondere Fähigkeit: Wenn man ein Stück von ihr abschneidet, wächst es innerhalb weniger Wochen einfach wieder nach. So kann eine gespendete Leber gleich zwei Menschen helfen, wie Dr. Hillebrandt erklärt: „Man kann die Leber dann teilen und zum Beispiel den kleineren Teil einem Kind geben, das auf ein Organ wartet, und den großen Teil einem Erwachsenen.“ Ganz schön praktisch, oder? Svende Depping