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brief des tages

Die Bahn – schwer gestört

„Urteil über Stuttgart 21: Bahn muss blechen­“, taz vom 6. 8. 25

„Zug fällt aus. Wegen einer technischen Störung am Zug.“ Das klingt, als hätte der Zug einen Mental-Health-Day eingelegt. Muss das ausgerechnet heute sein? Gleisänderung. In letzter Minute. Halteabschnitte verschoben von A auf F. Am Gleis angekommen, fühlen wir uns wie Marathonläufer – ohne Training, ohne Medaille, ohne Applaus.

Der Zug kommt. Langsam. Wie ein Faultier auf Valium. Dann hält er, gefühlte drei Postleitzahlen weiter. Als wäre das alles nicht längst genug: 80 Kilometer Strecke in dreieinhalb Stunden Fahrzeit. Stellwerksausfall, Streckensperrung, Schienenersatzverkehr – das volle Bahn-Bingo.

Showdown: 20 Kilometer vor Cottbus – Endstation. Der Zug spuckt 150 Menschen aus, alle wissen: Wenn der Anschlussbus weg ist, war’s das. Ein gemeinsames, immer rasanter werdendes Stampfen, als hätte jemand die Evakuierungsdurchsage eingeschaltet. Eine Menschenwelle, die genauso gut vor einer Feuersbrunst davonlaufen könnte. Verrückt, surreal – und erschreckend synchron. Draußen, vor dem Bahnhof: ein Kleinbus. 20 Plätze. Für 150 Menschen.

Karina Schaper, Ritterhude

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