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berliner szenenFahrrad­diebe – kein Film

Während ich vor der Haustür mein Rad aufschließe und die Einkaufstasche in den Korb lege, fällt mir auf der anderen Straßenseite ein Mann auf. Zunächst nur, weil er so groß ist, bestimmt über zwei Meter. Ich wundere mich, dass er die Fahrradbügel inspiziert. Die wurden schon vor ein paar Monaten einbetoniert.

Irrtum, er checkt nicht die Stabilität der Bügel, sondern die Räder. Ein Mountainbike ist nicht angekettet, sondern nur mit einem leichten Rahmenschloss blockiert. Er nimmt es unter die Lupe, fühlt sich offensichtlich unbeobachtet. Nur flüchtig guckt er sich um und hebt dann das Rad hoch. Ich rufe laut über den Platz: Sie wollen das jetzt nicht mitnehmen? Und wundere mich, wie fest und drohend meine Stimme klingt.

Was soll ich machen, ruft er zurück und zuckt mit den Schultern. Was für eine Frage – jedenfalls keine, die eine Antwort lohnt. Er stellt das Rad wieder ab, wirkt dabei nicht im Geringsten schuldbewusst und trottet weiter. Ein paarmal guckt er noch zurück. Als ich außer Sichtweite bin, kehrt er um. Und dreht ab, als ich mich wieder zeige. Selbstverständlich völlig ungerührt.

Mittlerweile ist ein jüngerer Mann mit Pudelmütze stehen geblieben und beobachtet die Szenerie. Ich gebe ihm zu verstehen, dass der Lange gerade ein Rad mit­gehen lassen wollte. Er guckt resigniert. So, als sei er selbst schon beklaut worden, und so, als habe er nicht nur ein Rad eingebüßt. Einverständiger Blickkontakt, gemeinsames Kopfschütteln. Er signalisiert, dass er noch einen Moment auf die Situation aufpassen werde, und ich mache mich auf den Weg.

Nach zwei Minuten komme ich zurück, Portemonnaie vergessen. Und sehe gerade noch, wie die Pudelmütze mit dem Mountainbike abhaut.

Claudia Ingenhoven

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