algorithmus: Ablenkung in Pastell
Der Feed ist gerade voller fantastischer KI-Videos – stellen sich so die TechBros die Zukunft vor?
Foto: instagram
Flauschige Wolken werden gewaschen und zum Trocknen aufgehängt, in der nächsten Szene im Supermarkt zum Verkauf angeboten. Im Hintergrund ein eingängiges, leicht spannungsvolles Piano-Instrumental.
Auf dem Bildschirm sieht man pastellfarbene Häuser und surreale Landschaften, Straßen und Hauseingänge, die ins Nichts führen. Aus irgendwelchen Gründen erzeugen diese Videos, die gerade meine Timeline durchfluten, ein Gefühl von Unwohlsein, gemischt mit Freude.
„Das sind Träume, genau wie wir sie uns als Kinder vorgestellt haben“, lautet ein beliebter Kommentar unter einem der Videos. Passend dazu, dass sich das alles wie ein Traum anfühlt, heißt diese Internet-Ästhetik, die sich gerade verbreitet, „Dreamcore“.
Und ja, das ist natürlich alles KI-generiert. Doch es ist eine Ästhetik, für die ich ziemlich anfällig bin, und die Millionen Aufrufe dieser Videos zeigen, dass es nicht nur mir so geht.
Deshalb ist das hier auch ein Tipp zum ästhetischen Scrollen und gleichzeitig eine Warnung: Besteht die Welt und die Freizeit nur noch aus KI-Slop, freut es die Tech-Giganten, die sich diese Welten erhoffen. Denken wir nur an Mark Zuckerbergs Metaverse, in dem er sich die Verschmelzung von realer Welt und virtueller Welt vorstellte. Das ist eine verdammt gruselige Vorstellung, von Privatsphäre- und Datenschutzproblemen mal abgesehen.
Denn: Wir sehen hier keinen Traum, sondern nur die Vorstellung von Träumen, wie sie irgendwo auf KI-Rechenzentren gespeichert ist und uns ausgespült wird, weil der Algorithmus das so vorgibt.
Statt eine pastellrosa Regenwolke anzuschauen, die von jemandem mit einer Schnur über ein Blumenbeet gehalten wird, schaue ich mir heute die echten Regenwolken in den Buchenwäldern bei Neustrelitz an. Ann-Kathrin Leclère
„Dreamcore“, bei Instagram oder Tiktok eingeben
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