: Zweifel am High-Tech-Flieger
■ Die französische Pilotengewerkschaft stellt die Frage nach der Betriebssicherheit des Super-Airbus A-320 / Die Crew sei der Technik ausgeliefert / „Noch nie eine solche Unfallrate“
Paris (dpa/taz) - Nach dem Absturz des Airbus A-320 in Bangalore werden erneut Zweifel an dem High-Tech-Flugzeug laut. Kaum zwei Jahre ist das erste Verkehrsflugzeug der Welt mit vollelektronischer Steuerung im Dienst, nur 79 Maschinen sind in der Luft, und dennoch sind bereits zwei Maschinen abgestürzt. „Noch nie gab es eine solche Unfallrate“, so der Chef der Gewerkschaft der Linienpiloten bei der Air France, Pierre Gille. „Die Betriebssicherheit des A-320 steht in Frage.“
Kern der Beschwerde der französischen Fliegergewerkschaft: Die elektronische Steuerung liefere die Piloten der Technik aus. Der Pilot, so Gille, „kann seinen Flug nicht völlig kontrollieren“. Und, so das Argument, auch beim Absturz eines A-320 im Juni 1988 bei einem Schaufliegen in Habsheim (Elsaß), als es drei Tote gab, herrschten die gleichen idealen Bedingungen wie beim mißglückten Landeanflug in der vergangenen Woche in Bangalore mit 90 Opfern: „Kein Wind, gutes Wetter und gute Sicht.“
Also doch ein technischer Fehler als Unfallursache. Die Airbus-Industrie wies am Dienstag darauf hin, daß die indischen Behörden bislang keine technischen Probleme als Unfallursachen signalisiert hätten. Auch beim Tiefflug in Habsheim hätten bisherige Untersuchungen eine Panne außer Frage gestellt. Außerdem sei der Flughafen in Bangalore nicht mit einem ILS (Instrument Landing System) ausgezeichnet. Das Argument der Piloten, „Opfer“ der Technik zu werden, könne mithin gerade dort nicht gelten, denn das ausgefeilte Landesystem an Bord hätte „abgeschaltet“ werden müssen zugunsten einer „Landung auf Sicht“. Also doch Pilotenfehler?
Bislang steht nur fest, daß die indische Unglücksmaschine ungeachtet guten Wetters weit vor der Landebahn niederkam. Inoffiziellen Berichten zufolge heißt es, die beiden Turbinen hätten beim Unfall „fast vollen Schub“ gegeben was sowohl den Computer-Gesetzen des A-320 als auch fliegerischem Landekalkül widerspräche. Siehe Kommentar auf Seite 10
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