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Zwanzig Tage Kerker

■ Der christdemokratische Religionslehrer Niesporek sitzt wegen einer Mutlangen-Blockade im Knast

Berlin (taz) - Heinrich Niesporek ist praktizierender Christdemokrat. Von Berufs wegen macht er die lieben Kleinen als Religionslehrer mit dem christlichen Glauben vertraut und doch kam er, wie es so schön heißt, mit dem Gesetz in Konflikt. Vor die Alternative „20 Tagessätze a 15 Mark, ersatzweise 20 Tage Haft“ gestellt, entschied er sich für den Knast. Er sitzt jetzt in Moers.

Der Kontakt des Christdemokraten mit der Gerichtsbarkeit hat mit Steuerhinterziehung, Bauspekulation oder Bestechlichkeit nichts zu tun. Im Gegenteil: Als Vorstandsmitglied der innerparteilichen Dissidentengruppe „Christliche Demokraten für Schritte zur Abrüstung“ (CDSA) hatte er sich einst mit anderen Friedensfreunden „absolut gewaltfrei“ vor dem Pershing-Depot Mutlangen niedergelassen. Dem Amtsgericht Schwäbisch Gmünd war das - wie bei tausend anderen „Blockierern“ - die genannte Strafe wert.

Niesporeks Freunde von der CDSA verstehen die Welt nicht mehr. Hatten doch Reagan und Gorbatschow längst die Verschrottung der monströsen Raketen beschlossen, der Regionalpolitiker Kohl dem zähneknirschend zugestimmt, bevor die Lokalrichter in Schwäbisch Gmünd zuschlugen. Dem „allgemeinen Rechtsempfinden“ sei es abträglich, schimpfte CDSA-Vorstand Martin Baier, wenn einerseits TeilnehmerInnen gewaltfreier Friedensaktionen ins Gefängnis gesteckt würden, andererseits in skrupellose Waffengeschäfte verwickelte Personen ungeschoren blieben. Ob er beim letzten Teil seiner Bemerkung Parteifreunde im Auge hatte, blieb unbekannt.

gero

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