Zum Abschied von Georg Löwisch

Irgendwann ist Schluss

Chefredakteur Georg Löwisch verlässt die taz. Wer ihn bei der Arbeit erlebt, kann das kaum glauben. Kaum einer zeigte so viel Zuneigung zu diesem Laden – und bekam so viel davon zurück.

1996, lange vor der taz: Georg Löwisch bei „mephisto 97,6“, dem Uniradio in Leipzig. Er war einer von drei studentischen Chefredakteur:innen Bild: Jens Papst

Von LUKAS WALLRAFF

„Liebe taz, heute in der Konferenz nach der aktuellen Planung wird es eine Mitteilung der Chefredaktion geben“: So begann die Mail, die Georg Löwisch am Donnerstagmorgen, 30. Januar 2020, an alle Kolleg:innen schrieb. Das weckte Neugier, Sorge und auch verschlafene Geister. Wer die Mail genau las, konnte ahnen, was Georg dann wenig später in der Konferenz verkünden würde: seinen Abschied.

„Liebe taz“: So hatte der neugekürte Chefredakteur Georg Löwisch die Kolleg:innen auch im Sommer 2015 begrüßt, als er sich in der Redaktion vorstellte. Damals: Sonnenschein. Diesmal: Nieselregen.

„Liebe taz“: eine ungewöhnliche Anrede in diesem Haus mit seinen oft eher formlosen bis rauen Umgangstönen. Und ein Signal, das Georg bewusst setzte. Die taz, wollte er damit wohl sagen, ist für ihn kein Arbeitsplatz wie jeder andere. Wie auch: Hier fing er 1998 als Volontär an, hier war er Reporter, Reportageredakteur, sonntaz-Gründungschef und nach einer dreijährigen Verirrung zum Cicero schließlich fünf Jahre Chefredakteur.

Dass die Zuneigung echt ist, bezweifelt niemand. Und er hat auch selbst viel davon bekommen.

Warum nur geht er?

Und trotzdem macht Georg jetzt, mit gerade mal 45, Schluss mit seiner lieben taz. Warum nur? Fragen sich jetzt viele inner- und außerhalb der Redaktion. Sein für Ende April angekündigter Abgang hat auch viele überrascht, die Georg bei der Arbeit erlebt haben: immer da, sehr präsent, nicht nur, wenn es darauf ankam.

Links die Stellvertreterinnen Barbara Junge und Katrin Gottschalk, rechts Georg Löwisch Bild: David Oliveira

Und immer bis ins kleinste Detail interessiert an so gut wie allem, was in der taz los war, vom Online­aufmacher über Kommafehler im Sport bis zur Seite 24 im Berlin-Teil. Von der aktuellen Titelseite bis zur großen Strategie für die Transformation ins Digitale.

Und das soll ihm jetzt plötzlich alles wurscht sein?

Wahrscheinlich nicht. Aber bei aller Liebe: Die taz kann auch sehr anstrengend sein. Und wer sich wie Georg bei allen Stresssituationen und Konflikten auch noch bemüht, höflich zu bleiben, jeden Schritt zu durchdenken und jedes Problem ernst zu nehmen, der fühlt an manchem Feierabend dann wohl doch nicht nur Liebe.

Für die Vielfalt plädieren

Was auch immer Georg nun genau veranlasst hat, als Redaktionsleiter von Christ und Welt zur Zeit zu gehen – eines kann ihm und uns keiner nehmen: fünf gute Jahre, in denen es gelungen ist, trotz aller medialen Umstellungsprobleme, die natürlich auch in der taz noch längst nicht geklärt sind, saubere journalistische Arbeit abzuliefern und einen Preis nach dem anderen abzuräumen.

Aber warum Christ und Welt? Das klingt doch ganz anders als die taz, die Georg neulich selbst „rauflustig“ nannte. Nun ja, er hat bei den Themen und Meinungen in der taz immer für Vielfalt plädiert. Und er lebt sie. Dabei viel Glück und alles Gute, lieber Georg! 

Lukas Wallraff ist Seite-Eins-Redakteur der taz und Mitglied im taz-Redaktionsrat.