: Zeit tickt für Tiktok
Der chinesische Mutterkonzern soll den USA den Algorithmus, das Herzstück der Plattform, zur Verfügung stellen. Doch noch ist der Deal nicht ausgemacht
Bei der Abspaltung des US-Geschäfts von Tiktok soll die Software, die die nächsten Videoclips für Nutzer aussucht, in den USA nachgebaut werden. Als Basis dafür werde der in China ansässige Tiktok-Eigentümer Bytedance seinen bisherigen Software-Algorithmus zur Verfügung stellen, schreiben unter anderem das Wall Street Journal und der Finanzdienst Bloomberg unter Berufung auf einen Vertreter des Weißen Hauses.
Die Maßnahme soll Sorgen ausräumen, dass die chinesische Regierung den Tiktok-Algorithmus beeinflussen und damit die öffentliche Meinung in den USA manipulieren könnte. Tiktok und Bytedance wiesen solche Bedenken stets zurück. Das im vergangenen Jahr verabschiedete US-Gesetz, demzufolge Tiktok mit Bytedance als Eigentümer in den USA nicht weiterbetrieben werden darf, war von US-Präsident Trump mehrfach für Monate aussgesetzt worden, um eine Übernahme des US-Geschäfts einzufädeln.
Vergangenen Freitag verkündete Trump nun nach einem Telefonat mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping, dass China dem Deal zugestimmt habe. Aus Peking kamen deutlich weniger klare Signale. Auch aus den neuen Angaben des Regierungsvertreters geht den aktuellen Medienberichten zufolge hervor, dass es noch dauern könnte, bis alle Details festgezurrt sind. Trump werde die Frist für einen Verkauf um zusätzliche 120 Tage verlängern. Zuletzt hatte der Präsident die Frist bis zum 16. Dezember gestreckt. Was Trump diese Woche unterzeichnen wolle, sei nur ein Präsidentenerlass, der seine Billigung der Transaktion festhalte, schrieb Bloomberg.
Der Regierungsvertreter bestätigte Informationen, wonach für den Betrieb von Tiktok USA ein neues Unternehmen gegründet werden solle. Es werde zu gut 80 Prozent im Besitz US-amerikanischer Investoren sein. Unter den neuen Eigentümern sollen der Software-Konzern Oracle und die Finanzfirma Silver Lake sein. Oracle soll auch zusammen mit der US-Regierung den Nachbau der Algorithmus-Software beaufsichtigen. Da Oracle von Gründer Larry Ellison – einem Trump-Unterstützer – kontrolliert wird, wurden in den USA erste Warnungen vor möglichen Einschränkungen der Meinungsfreiheit auf der Plattform laut. (dpa)
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