: Würdeloses Verhalten
Berlin. Am 9.Februar, drei Tage nachdem eine Scud-Rakete ihre Unterkunft in Tel-Aviv zerstörte, flüchtete Helene B. zusammen mit ihrem vierjährigen Sohn nach Berlin. In Israel lebte sie vier Monate. In Reinickendorf erhält sie jetzt Unterkunft und Sozialhilfe. Am 17.März folgte der Ehemann und Vater, Igor B., der während des Krieges am Golf keinen israelischen Transitausweis erhalten hatte.
Das Bezirksamt Reinickendorf verweigert dem Mann nun die Unterstützung. Er sei Tourist, sagt der CDU-Stadtrat Willimsky. Die Sozialhilfe bezahle der Bezirk »ohne Anerkennung des Rechtsanspruches« nur denjenigen, die während des Golfkrieges gekommen seien. Den Präzedenzfall, daß auch später gekommene Ehepartner Sozialhilfe bekommen, möchte er nicht schaffen.
Nach Angaben des Rechtsanwalts Rosenkranz ließ die Verwaltung des Heimes in der Flottenstraße Igor B. von der Polizei hinauswerfen, als er dort seine Familie besuchte. Dies sei besonders »anekelnd«, sagt der Anwalt, da seiner Familie von den Deutschen unsägliches Leid zugefügt worden sei. Die Großeltern und drei ihrer Kinder seien 1942 von der SS in Peremylovska erschossen worden. Ein weiteres Kind sei auf dem Transport in ein KZ umgekommen. aku
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen