: Wirre Zeiten
Ich möchte Ihnen bei dieser Gelegenheit alles Gute für Ihre Werbekampagne wünschen, nicht zuletzt, damit mir die taz in diesen wirren Zeiten erhalten bleibt.
Das Fehlen einer Identität der alten BRD, nur unzureichend überdeckt durch das Substitut des Ost-West-Gegensatzes, ist durch den bürokratischen Anschluß der ebenso identitätslosen DDR offenkundig geworden. Entsprechend orientierungslos irren Politiker und Untertanen herum, auf der Suche nach einem neuen Selbstverständnis, wobei die sog. Linke keine Ausnahme bildet – an ihr kann die Identitätskrise beispielhaft demonstriert werden. Und da wir alle schon mit der Muttermilch aufgenommen haben, daß man sich im „Gegensatz“ zu etwas definiert, sind wir fleißig dabei, jeder auf seine Weise, uns die „Gegensätze“ zu erschaffen und an sie zu glauben mit einer fanatischen Religiosität, den dazugehörigen Prozessionen, Pilgerfahrten, Opfern, Litaneien und Fanalen. Der gemeinsame Nenner all dieser Bemühungen scheint mir eine abgrundtiefe „Menschenverachtung“, ein Selbsthaß zu sein. Matthias Flender, Stuttgart
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