■ Wie finden Sie die Hackeschen Höfe?: „Das kann hier nicht Schickimicki werden"
Barbara Schmidt, 54 J., Ökologin
Ich wohne hier schon seit sehr langer Zeit. Erst mal freue ich mich natürlich, daß hier alles neu renoviert wird. Aber wie das hier alles einmal wird, kann man ja jetzt noch nicht beurteilen. Etwa wenn hier Kultur reinkommt, ob es dann hier nicht nachts durch den Publikumsverkehr laut wird. Ich bezweifle auch, daß die Läden sich hier halten können. Denn für Fremde ist das Ganze hier erst mal schon etwas beängstigend.
Andy Witte, 28 J., Student
Ich halte die Hackeschen Höfe im Moment noch für einen spannenden Ort, um hier zu leben. Aber ich habe große Zweifel, ob die Mieten hier auf Dauer bezahlbar bleiben. Ich kann mir auch vorstellen, daß die nichtorganisierte, spontane Subkultur, die im Moment noch da ist, in baldiger Zukunft an dem Monatsprogramm der Etablierten, wie dem Varieté Chamäleon, ersticken werden.
Thomas Taubert, 30 J., Haushandwerker
Es ist eine schöne Sache, was hier entsteht. Weil es dann wieder ordentlich aussieht. Es wurde Zeit, daß hier was gemacht wird. Ich finde es auch okay, daß das Leben auf die Höfe gezogen wird, wo im Prinzip gewohnt wird und noch ein paar Läden drin sind. Es muß aber so bleiben, daß hier Künstler, Arbeiter und Rentner wohnen. Das kann hier nicht Schickimicki werden, das ist Quatsch.
Dieter Fürstenberg, 58 J. Bauingenieur
Die Hackeschen Höfe bieten sich für ein solches Projekt an, weil sie kompakt sind und Tradition haben. Aber das wird nicht mehr das gleiche sein. Wir leben ja in einer ganz anderen Zeit. Die jetzige Mischung ist sicherlich vorteilhaft für die Bewohner und die Touristen. Früher ist kaum einer hier durchgegangen. Das gehört auch hierher, auch wenn sich so manch einer dann die Wohnung nicht mehr leisten kann.
Inga Kondeine, 44 J., Galeristin
Bislang habe ich als Museumsgaleristin immer den harten Kern der Ostberliner Maler ausgestellt. Deswegen passe ich mit meinem Programm sehr gut hierher. Die Miete finde ich zwar auch nicht gerade preiswert, aber was soll's, woanders ist's auch genauso teuer. Ich freue mich auf das Leben, das hier entstehen kann. Ich hoffe auch, daß die Bewohner das kulturelle Leben aushalten.
Deborah Hamley, 33 J., Friseuse
Als ich nach Berlin kam, wurde ich von der Sophienstraße zum Telefonieren in die Hackeschen Höfe geschickt. Das war im verregneten Februar, und ich war einfach überwältigt von dieser Atmosphäre hier. Sie hat mich beängstigt und begeistert zugleich. So was hatt' ich noch nie gesehen. Und als ich gehört habe, daß hier renoviert wird, hab ich mich mit meinem Laden sofort beworben.
Umfrage: Anja Sieber
Fotos: Rolf Zöllner
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