Widerstand gegen mehr Rohstoffsuche: Öl soll in Norwegens Erde bleiben

Die geplante Ölsuche vor den Lofoten stößt auf Widerstand. Der Exumweltminister Norwegens fordert Verzicht aus Klimagründen.

Viellleicht wird es bald noch mehr von ihnen geben: Ölplattformen in der Nordsee. Bild: rtr

STOCKHOLM taz Steigende Ölpreise und langsam versiegende Ölfelder in der Nordsee lassen Norwegen immer weiter im Norden nach Öl suchen. Gegen die Proteste von UmweltschützerInnen gab Oslo vor einigen Wochen auch grünes Licht für eine bislang ausdrücklich verschonte Region: den Nordatlantik vor der Küste der Lofoten und Vesterålen.

Zwar darf dort zunächst noch nicht gebohrt werden. Doch Ende Mai wurden dem staatseigenen Ölkonzern Statoil seismische Untersuchungen genehmigt. Sie könnten der erste Schritt sein, die für den Artenreichtum und auch für Touristen wertvollen Inseln der Ölwirtschaft zu öffnen.

Doch der Widerstand wächst. Ein führender Sozialdemokrat, der Exumweltminister Thorbjørn Berntsen, hat jetzt die rot-rot-grüne Regierung zu einer radikalen Abkehr vom bisherigen Ölkurs aufgefordert. Das reiche Norwegen, das ohnehin den Großteil der Öleinnahmen auf die hohe Kante lege und in einem Pensionsfonds ansammle, müsse ein klimapolitisches Zeichen setzen: "Wir können nicht einerseits sagen, das Klima sei uns das Wichtigste und die CO2-Belastung dürfe nicht weiter steigen", kritisiert Berntsen die norwegische Doppelmoral: "Und dann eine Politik machen, deren Botschaft doch letztendlich bedeutet: Wir pfeifen aber vollständig darauf."

Die Milliarden, die Norwegen beispielsweise für einen Regenwaldfonds lockergemacht habe, seien zwar lobenswert, täten dem Land aber nicht weiter weh. Ein politisches Zeichen, das weltweit Aufsehen erregen könne, wäre dagegen eine Reduktion des Ölausbeutungstempos. Das würde nicht nur helfen, die globalen Vorräte zu strecken, sondern beweisen, dass Norwegen tatsächlich bereit sei, auch eigene Opfer zu bringen.

Auch Nicholas Stern, Verfasser des im Jahr 2006 erschienenen "Stern-Reports" über die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels, würde einen Vorstoß Norwegens, die Ölförderung aus klimapolitischen Gründen zu drosseln, sehr begrüßen. In einem Fernsehinterview vor der am heutigen Donnerstag in Oslo beginnenden zweitägigen Climate Conference 08 warnt er: "Wir können nicht einfach weiter die Ressourcen aufbrauchen, die wir haben, sonst rösten wir damit den Globus." Norwegen könne ein Signal setzen, würde es Öl und Gas demonstrativ im Boden lassen.

Mehrere ParlamentarierInnen begrüßen zwar diese Gedanken. Allzu realistisch scheint eine solch radikale Änderung der norwegischen Ölpolitik jedoch nicht zu sein. Darauf lassen die ersten Reaktionen aus der Regierung schließen: Man sei doch ein viel zu kleines Land, um wirklich Einfluss nehmen zu können. Und, so Küstenministerin Helga Pedersen: "Wenn wir in der Barentsee nicht suchen, dann machen es eben die Russen."

Dabei würden sogar volkswirtschaftliche Gründe dafür sprechen, das Öl im Boden zu lassen, anstatt die daraus gewonnenen Gelder an ausländischen Börsen anzulegen. Denn in den vergangenen Jahren wurden damit ausgesprochen schlechte Geschäfte gemacht. Die staatlichen Spekulanten vom US-Grundstücksmarkt bis hin zu Islands Börse setzten Milliarden in den Sand. Allein im ersten Quartal dieses Jahres sank der Wert der gesammelten Aktien des Ölfonds um 12,7 Prozent.

REINHARD WOLFF

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