Widerstand gegen Landebahn Nordwest: Flughafengegner festgenommen

Während die Gemeinde Kelsterbach juristisch aufgegeben hat, kämpfen die Waldbesetzer weiter gegen den Airport. Gleichzeitig laufen ungestört die Rodungsarbeiten.

Eine Bastion der Standhaften: das Camp der Gegner des Flughafenausbaus. Bild: dpa

FRANKFURT AM MAIN taz Die Besetzung der Maschinen der Waldarbeiter am Mittwochabend konnte die Rodungsarbeiten für den Bau der Landebahn Nordwest im Kelsterbacher Forst am Frankfurter Flughafen auch nicht aufhalten. Die Holzfäller hatten schon Feierabend, und die Polizei nahm die 14 Ausbaugegner umgehend in Gewahrsam. Inzwischen sind sie wieder frei, aber allen wurde ein Platzverweis erteilt, berichtete Ute Bertrand, Sprecherin von Robin Wood, deren Aktivisten sich schon seit Wochen im Protestcamp im Wald aufhalten und dort Baumbesetzungen trainieren, am Freitag der taz.

Nur zwei Tage nach der Landtagswahl in Hessen, die von den Flughafenausbauparteien CDU und FDP gewonnen wurde, waren im Kelsterbacher Bannwald die von der Flughafenbetreibergesellschaft Fraport AG in Marsch gesetzten Rodungstrupps angerückt - ohne auf nennenswerten Widerstand durch die vielleicht noch dreißig Ausbaugegner zu stoßen, die im Camp ausharren. Auch das Höhlensystem, in dem sich ein Naturfreund angekettet hatte, war von zahlenmäßig weit überlegenen Polizeikontingenten rasch erforscht - und der Mann danach ausgegraben und losgeschweißt worden.

Bis zum Mittwoch gelang es dann der Polizei und Arbeitern der Fraport AG, das "WaldbesetzerInnendorf" einzuzäunen, während die Forstarbeiter ungestört an mehreren Stellen im Wald Bäume fällen und so schon ganze Schneisen in den Forst schlagen konnten. Zunächst geht es der Fraport AG um die Schaffung von Transportwegen für Baumaterialien aller Art zur eigentlichen Trasse für die geplante Landebahn. Bis zum Beginn der Vegetationsperiode Ende Februar müssen die Rodungsarbeiten dafür zum Abschluss gekommen sein.

Dass die Stadt Kelsterbach, die Eigentümerin des Waldes ist, am Mittwoch überraschend ihren juristischen Widerstand gegen das Projekt aufgab und sich mit der Fraport AG auf eine Kaufsumme von 32 Millionen Euro verständigte, ist ein weiterer harter Schlag für die Waldbesetzer. Von "Verrat" war schnell die Rede. Der Kelsterbacher Bürgermeister Manfred Ockel (SPD) verwies dagegen auf die "schlechten Erfolgsaussichten" für die noch anhängigen Klagen, nachdem der Hessische Verwaltungsgerichtshof in der vergangenen Woche alle Eilanträge gegen die Genehmigung der Rodungsarbeiten zurückgewiesen hatte. "Wir haben keinen Einfluss mehr und können den Landebahnbau nicht mehr verhindern", konstatierte Ockel. Erwartet wird, dass jetzt auch andere Kommunen aus dem Umland des Flughafens ihre Klagen zurückziehen und mit der Fraport AG in Verhandlungen über die Finanzierung von Lärmschutzmaßnahmen treten.

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