Widerstand gegen Gorleben: Bürgerinitiative will klagen

Die BI Lüchow-Dannenberg will per Gericht verhindern, dass Gorleben weiter als Endlager erkundet wird. Ein Geologe vergleicht die Situation unter Tage mit dem einsturzgefährdeten Asse.

Wird die Bürgerinitiative die Erkundung des potentiellen Endlagers Gorleben stoppen können? Bild: dpa

LÜCHOW taz | Die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg will sich vor Gericht gegen eine Wiederaufnahme der Erkundungsarbeiten im Gorlebener Salzstock wehren. "Wenn das Moratorium aufgehoben wird, klagen wir", sagte BI-Sprecher Wolfgang Ehmke am Montag in Gorleben. CDU und FDP wollen nach einem Sieg bei der Bundestagswahl die Erkundung wieder aufnehmen. Das Moratorium, mit dem Rot-Grün einst die Erkundung unterbrochen hatte, endet nächstes Jahr.

Die BI will sich bei einer Klage auf internationale Standards für die Endlagersuche berufen. "Nach dem Stand von Wissenschaft und Technik ist nur noch eine vergleichende Suche nach einem geeigneten Standort für ein atomares Endlager möglich", sagte Ehmke. Zudem stünden bei den Arbeiten unter Tage im Gorlebener Salzstock gar nicht Untersuchungen, sondern der Ausbau des Bergwerks zum Endlager im Vordergrund. "Das sogenannten Erkundungsbergwerk wurde von vornherein als Endlager ausgelegt", betonte er. Dieser Endlager-Schwarzbau, für den es nie ein Genehmigungsverfahren gegeben habe, dürfe nicht zum Abschluss kommen.

Die Bürgerinitiative hat zudem erstmals beim Bundesamt für Strahlenschutz die verschiedenen Fassungen des Gutachtens einsehen können, mit dem die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) 1983 die obertägige Untersuchung des Salzstocks Gorleben abgeschlossen hat. Daraus ergibt sich, dass die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung unter Helmut Kohl die Endfassung des Gutachtens seinerzeit massiv beeinflusst hat.

Nach Angaben der BI wurde in einer Gutachtenfassung vom 5. Mai 1983 noch davor gewarnt, dass ein Endlager Gorleben binnen 600 bis 1.200 Jahren Oberflächenwässer radioaktiv verseuchen könne. Zudem empfahl die Fassung der Wissenschaftler die Untersuchung alternativer Standorte und warnte, notwendige technische Einbauten könnten Gorleben teuer machen.

Nachdem die beteiligten Wissenschaftler dann Besuch von Vertretern des Bundeskanzleramtes und mehrerer Ministerien erhalten hatten, entstand am 6. Mai 1983 eine Neufassung des Gutachtens, in dem Kritikpunkte der Wissenschaftler "nicht mehr vorkamen", sagte Ehmke.

Eine neue geologische Expertise zu dem Salzstock hat gestern die Linksfraktion im niedersächsischen Landtag vorgelegt. Der Kieler Geologe Ulrich Schneider listet darin noch einmal die geologischen Mängel des Salzstocks auf und weist auf immer noch vorhandene Untersuchungsdefizite hin.

Nach Angaben von Schneider ist das Gestein über dem Salzstock ähnlich wie über dem Atommülllager Asse von Störungen und Brüchen durchzogen, die bis auf das Salz reichen. In der Asse gingen die Laugenzuflüsse auf diese Störungen zurück, sagte er. Auch in einem Endlager Gorleben könnte entlang den Störungen transportiertes Wasser nach einiger Zeit zu Zuflüssen führen. Der Geologe bemängelte zudem, dass in Gorleben Pumpversuche zu Wasserverbindungen vom Salzstock zur Erdoberfläche nie auswertbar abgeschlossen wurden. Auch die Frage, wie weit wasserführende Schichten in den Salzstock hineinreichten, habe man nie geklärt.

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