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Widerstand gegen „Emden 2000“

■ Eine Hausbesetzung, ein Luxushotel und sozialdemokratische Stadt-Modernisierung

Der Name Emden lasse sich wie folgt buchstabieren: „Emden, Metropole des europäischen Nordens“. Eberhard Meißner, der anläßlich einer Hotel-Grundsteinlegung den Oberbürgermeister derart hofierte, schien dafür gute Gründe zu haben. Meißner ist Sprecher einer Investorengruppe, die mit dem Bau des Hotels „Upstalsboom“ angetreten ist, „die Lücke im Emder Hotel-Angebot zu schließen.“

Was in der Stadt am Dollart bislang fehlt: ein fünfstöckiger Komplex mit insgesamt zweihundert Betten, sechs Studios, einer Luxus-Suite, Solarium und Sauna nebst Fitness-Einrichtungen. Die Preiskategorie bewegt sich in der Klasse „komfortabel“, Zielgruppe sind nicht die Ostfriesland -Billigurlauber, sondern Geschäftsleute, die auch für eine Frequentierung der zwei vorgesehenen Seminar-und Konferenzräume sorgen sollen. 13 Millionen Mark sind für den Bau des

Hotels veranschlagt, das im Frühjahr 1990 die ersten Gäste aufnehmen soll.

Das „Upstalsboom“ ist zum Zankapfel in Emden geworden. Für die einen ist er Teil eines städtebaulichen Entwicklungskonzeptes, das mit Millionen-Investitionen das Gesicht der Emder Innenstadt mit Großprojekten und neuem Glanz versehen soll. Das umfassende Bau-Programm, von den regierenden Sozialdemokraten gern als Konzept „Emden 2000“ in die Welt getragen, sieht die Umwandlung des alten Schlachthofes in ein Glasarkaden bestücktes Einkaufszentrum vor, beinhaltet neue Gebäude für die Stadtverwaltung und die Bibliothek, in der Innenstadt ein nagelneues Parkhaus und eben auch das besagte Luxushotel.

Die anderen beäugen das Fortschreiten dieser Politik mit wachsender Skepsis. Emden, so ihre Einschätzung, nehme eine Entwicklung, deren nachteilige Fol

gen an anderen Kommunen ablesbar sei. Insbesondere die Verknappung und Verteuerung von Mietraum sei an einem Punkt angelangt, wo traditionelle Bewohnermilieus aufgelöst und die angestammte Bevölkerung in die peripher gelegenen Betonsiedlungen vertrieben würden.

Haus besetzt

In der Friedrich-Ebert-Straße 73, am Standort des künftigen Hotels „Upstalsboom“, stand bis zum November vergangenen Jahres ein dreistöckiges Wohnhaus. Ende der siebziger Jahre war es aus dem Besitz der Stadt in die Hände der W.H.Janssen -Gruppe übergegangen, die heute Mitbetreiberin des Hotelprojektes ist. Seit 1985 hatte die das Haus leerstehen lassen, bis es am 11.11.88 besetzt wurde. Die BesetzterInnen verstanden ihre Aktion als Demonstration gegen die im umliegenden Stadtteil Klein-Faldern beginnende Luxussanierung und

die damit einhergehende Veränderung der sozialen Struktur. Zwei Tage später war das Haus dem Erdboden gleichgemacht wie manche glauben, ohne rechtliche Abrißgenehmigung.

Gegen die BesetzerInnen stellte die Janssen-Gruppe als Hauseigentümerin Strafanträge wegen Hausfriedensbruch. Der erste Prozeß begann gestern vor dem Amtsgericht Emden unter regem Interesse der Öffentlichkeit. An die achtzig Zuschauer verfolgten die Verhandlung, die nach einem Einstellungsangebot der Richterin vertagt wurde. Die von der Staatsanwaltschaft aufgebotenen Zeugen hatten die verlesene Anklage nicht stützen können. Während der Zeit der Gerichtsverhandlung waren in Emden drei seit längerem leerstehende Häuser für mehrere Stunden besetzt worden. „Ein symbolischer Akt“, so formulierten es die BesetzerInnen, gegen das Konzept „Emden 2000“.

anh

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