Wetterlage in Bayern

Naturschnee nervt – nicht

Zuviel Schnee versperrt Straßen und Bahnstrecken. Doch er versteckt auch menschgemachte Hässlichkeiten wie autogerechte Feriendörfer.

Ein komplett zugeschneites Auto auf einem komplett zugeschneiten Parkplatz

Es sieht aus wie ein Kunstwerk – das kann nur Schnee Foto: dpa

Mit dem Schnee ist es so eine Sache in den bayerischen Alpen und den vorgelagerten Orten. Einerseits ist man stolz, dass man mehr davon hat als andere Landesteile, auch wenn es früher freilich noch mehr, noch besser war. Alle kennen jemanden, der schöne Geschichten davon erzählen kann, dass früher die Winter weißer waren. Und sowieso reden fast alle über den Schnee, wenn er fällt.

Man braucht ihn für den Wintersport. Deswegen sind die meistens nicht mit ihm zufrieden. Mal ist es zu kalt, dann verbindet sich der Schnee nicht mit dem Untergrund, er wird beim ersten Carvingschwung mit den neuen Skiern talwärts geweht. Mal ist er zu nass und das schöne Pulverschneegefühl stellt sich auch dann nicht ein, wenn es besonders viel schneit. Als Träger für Sportgeräte ist der Schnee einfach sehr unzuverlässig. Da ist es fast schon besser, wenn es gar nicht schneit.

Schnee gibt es ja trotzdem in den Skigebieten. Technischer Schnee wird der genannt, er kommt des Nachts aus lärmenden Kanonen. Die Annahme, dass es für die auf Skitourismus setzenden Gemeinden gar nicht genug Schnee geben kann, stimmt schon lange nicht mehr.

Naturschnee nervt. Da muss es gar nicht so viel schneien wie in diesen Tagen, wo Straßen und Bahnstrecken gesperrt sind und teils höchste Lawinengefahr herrscht. Den Leuten in den eingeschneiten Gebieten ist natürlich nur das Beste zu wünschen, ihnen möge nichts passieren, sie sollen genug zum Essen haben und am besten eine nicht unterbrochene Stromleitung, damit sie abends in den TV-Nachrichten sehen können, wie katastrophal es bei ihnen zugeht.

Es wird ihnen wahrscheinlich gefallen, was sie da sehen. Denn die von Bundesstraßen zerschnittenen Dörfer, die von Gewerbegebieten umzingelten Marktgemeinden, die autogerechten Ferienorte, sie sehen unter der schneeweißen Haube so aus, wie sie sonst schon lange nicht mehr aussehen: malerisch. Direkt schade dann doch, dass es bald schon wieder tauen wird.

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1968 geboren und dann lange Münchner. Studiert hat er Slawistik und wäre um ein Haar Lehrer geworden. Zehn Jahre lang war er Kabarettist (mit Helmut Schleich und Christian Springer). Dann ist er Sportreporter geworden. Von April 2014 bis September 2015 war er Chefredakteur der taz. Jetzt treibt er wieder Sport.

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