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Wenn man gern in der Schlange ansteht

Am Baumschulenweg fühlt sich das hippe Berlin weit weg an. Zwar reiht sich auch hier, im Südosten der Hauptstadt nahe dem ehemaligen Mauerstreifen, Altbau an Altbau in breiten Gründerzeitstraßen. Aber für Gentrifizierung und Szenelokale ist das Viertel zwischen Spree und Verbindungskanal wohl noch zu verschlafen. Umso überraschender ist da die Warteschlange, die sich vor einer kleinen Bäckerei gebildet hat. Es geht nur langsam voran, einige lehnen matt auf ihren Rollatoren. Ein Blick durchs Schaufenster zeigt Blechkuchen, Schweineohren, Vollkornbrot – und Ostschrippen. Niemand verlässt den Laden ohne eine pralle Tüte mit den traditionellen DDR-Brötchen.

Drinnen lassen sich die beiden Verkäuferinnen vom Andrang nicht hetzen. „Feierabend“, sagt die eine pünktlich um 12. Sie muss das Geld in der Kasse zählen, bevor ihre Kollegin weitermachen kann. Es herrscht absolute Stille, niemand will die Konzentration stören, weitere Verzögerungen verschulden. Schein um Schein wandert in einen Gefrierbeutel. Als sie es nach zähen Minuten geschafft hat, verschwindet sie in die Backstube, winkt noch mal: „Für heute Abend Party reicht’s!“ Hanno Fleckenstein

Berlin-Baumschulenweg

19.404 Ein­woh­­ner:innen,

im Bezirk Treptow-Köpenick liegend. Name und Geschichte des Ortsteils sind eng verbunden mit der einst weltweit bekannten, bis heute be­stehenden Späth’schen Baumschule