: Wenn geraucht werden muss
Der junge Mann im Trainingsanzug hat Lust sich zu unterhalten. Er beugt sich zur Seite, nach vorne und fixiert durch seine dicken Brillengläser mehrere Fahrgäste in der Straßenbahn. Alle gucken weg.
Schließlich hat er Erfolg bei der älteren Frau, die ihm gegenübersitzt. „Wo fährst du hin?“, will er von ihr wissen. Er spricht sehr laut. „In die Stadt“, antwortet sie mit heiserer Stimme, die nach jahrzehntelanger Nikotinabhängigkeit klingt. „Was machst du da?“ „Einkaufen.“ „Ich fahr zum Bahnhof“, sagt er und wirft sich in die Brust, „ich will nach Hamburg!“
Bremen- Mitte
17.600 Ein-wohner*innen.
Das mitunter widersprüchliche Quartier mit historischer Altstadt und Bahnhofsumfeld versammelt die touristischen Hotspots der Hansestadt. Zigaretten kann man eigentlich auch hier kaufen – mit und ohne E.
Ohne eine Frage abzuwarten, redet er weiter. „Aber du willst bestimmt nicht wissen, was ich da mache, da wird dir nur schlecht.“ Sie guckt ihn erschrocken an. „Ich will nach Hamburg und was zum Rauchen kaufen“, sagt er und seine Gesprächspartnerin entspannt sich, „das ist da billiger und die Auswahl ist größer. Rauchst du auch?“ „Ja.“ „Wie lange?“ Sie winkt ab. „Schon immer.“ „Normal oder E-Zigarette?“ „Normal.“ „Ich rauche schon seit drei Jahren E“, sagt er und wirkt sehr zufrieden mit sich.“ „Du, das ist ungesund“, sagt die Frau, „hör lieber auf.“ Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen. „Ich will nicht aufhören, ich will rauchen!“ Eiken Bruhn
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