: Wenn es doch ein wenig an Respekt fehlt
Sofort absteigen“, schnarrt es aus dem Lautsprecher des Peterwagens. „Auf dem E-Roller zu zweit zu fahren, ist verboten.“ War vielleicht auch ein bisschen dreist, so direkt vor der Polizeiwache.
Aber die beiden Jugendlichen sind alles andere als schuldbewusst. Der Fahrer ruft zurück: „Ich bau kein’Unfall, ich schwör’, ehrlich!“ Der Polizist, wieder verstärkt, antwortet: „Ihr könnt auch ein Bußgeld zahlen, wenn ihr wollt.“
Es dauert einen langen Augenblick, bis die beiden die Kräfteverhältnisse taxiert haben und das Mädchen betont widerwillig absteigt. Ihr Freund schiebt den schweren Mietroller, sie trottet nebenher.
Aus irgendeinem Grund bleibe ich stehen und blicke ihnen hinterher. Und tatsächlich, sie sind noch nicht außer Sichtweite, da steigen beide wieder auf und fahren weiter.
Der Polizist war ausgestiegen, hatte ihnen auch hinterhergeschaut. Jetzt hat er die Faxen dicke. Er schwingt sich wieder hinters Steuer, macht Blaulicht an und saust hinterher. Aber bevor er sie erreichen kann, sind sie schon hinter der nächsten Ecke verschwunden.
Hamburg-St. Pauli
22.400 Einwohner*innen.
Die beiden Polizeiwachen in dem Stadtteil haben Wichtigeres zu tun, als E-Roller-Fahrer zu verfolgen: 2025 zählte man hier immerhin über 13.000 Straftaten.
Früher war mehr Respekt vor der Polizei. Aber vielleicht ist das auch gut so. Jan Kahlcke
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