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Wenn ein Fahrgast in eine gedruckte Zeitung schaut

Wir sitzen in der Hamburger U-Bahn-Linie 2, es ist Mittwochmorgen, kurz vor 9 Uhr. Es ist still in der U-Bahn, alle schauen auf ihr Handy, niemand redet ein Wort. Je näher die U-Bahn der Innenstadt kommt, desto voller wird es. Da steigt ein Herr ein, grau meliertes Haar, gut frisiert, schwarze Brille, blaues Hemd, Typ Abteilungsleiter. Der Herr setzt sich, holt eine FAZ aus der Aktentasche und fängt an zu lesen.

Der Mann ist etwas Besonderes: Im ganzen Waggon schaut sonst niemand in eine gedruckte Zeitung. Bestimmt schaut im ganzen Zug niemand in eine gedruckte Zeitung. Ziemlich sicher auch nicht in den anderen Zügen, nicht auf dieser Linie und nicht auf den anderen Linien des Hamburger Nahverkehrs.

U 2 Hamburg

24,5 Kilometer,

fährt von Niendorf im Norden der Stadt Richtung Hauptbahnhof bis nach Mümmelmannsberg im Hamburger Osten.

Eine gedruckte Zeitung in der U-Bahn! Noch dazu eine FAZ, von deren überregionalem Glanz früherer Zeiten so wenig übriggeblieben ist, dass man sich in Hamburg fragt, ob es sie eigentlich noch gibt. Und die liest einfach so dieser Herr, der durch seine Alleinstellungsmerkmale „gedruckte Zeitung“ und „FAZ“ automatisch zum Abteilungsleiter wird. Wir wagen einen Seitenblick, was genau er liest in der FAZ. Es ist – das Fernsehprogramm. Klaus Irler

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