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Wenn die sokratischen Fragen die richtigen sind

Eine Bäckerei mit Kaffee-Flatrate: Sprüche wie „Home is where your heart is“ in Schnörkelschrift an der Wand, Plastikblumen auf den Tischen, warme Kunstbeleuchtung.

Der Mann, der mit der alten Dame im Rollstuhl Kaffee trinkt, fällt auf, weil er abwechselnd lautstark am Telefon und mit seiner Begleitung spricht. Er wird Mitte 50 sein und trägt einen knallroten Trainingsanzug.

Eine Frau spricht ihn an: „Ich habe gesehen, dass Sie mit Ihrer Mutter hier sind und würde Ihnen gerne etwas über göttliche Heilung erzählen.“

„Aha“, so der Mann ganz freundlich. „Na, dann setzen Sie sich doch mal.“ Er deutet auf einen freien Stuhl ihm gegenüber. „Also, ich habe erst spät von der göttlichen Heilung erfahren …“, beginnt die Frau. „Um welchen Gott geht es denn?“, fragt interessiert der Rotgekleidete. „Na, Gott, eben“, so die Frau, leicht irritiert. „Ist Gott ein Mann, eine Frau, ein Kind?“, fragte der Mann. „Ähm.“ – „Sprechen wir vom christlichen Gott oder von einem anderen Gott?“

Tübingen- Wanne,

10.154 Ein­woh­ner*innen, laut Sozialbericht die Stadt „vieler älterer Menschen“. Auf 85 Geburten kommen hier 92 Sterbefälle – ob göttliche Heilung daran etwas ändern würde?

Die Frau beginnt zu schwanken. Schon bevor es richtig begonnen hat, hat der Rotgekleidete das Gespräch gewonnen. Miri Watson