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Wenn die letzte Runde lange währt

Aus der Bluetoothbox scheppert Natasha Bedingfields „Unwritten“, das Lied läuft zum dritten Mal an diesem Freitagabend. Empfang gibt es im Keller der Münsteraner Kneipe keinen, Streaming ist hier unten unmöglich. Dafür gibt’s einen größeren Schatz: die Kegelbahn.

Die elektronische Anzeige funktioniert nur sporadisch. Mal leuchten zu viele umgeworfene Kegel auf, mal zu wenige. Wegen der Löcher im Parkett ist jeder Wurf eine Überraschung. Doch es stört nicht. An diesem Abend besiegt die Geselligkeit den Ehrgeiz.

Münster

308.000 Ein­woh­ner*innen.

Kegeln wird in der westfälischen Unistadt schon auch mit sportlichem Ehrgeiz betrieben. Der ESV Münster spielt in der Westfalenliga. Klares Ziel: der Klassenerhalt.

Es ist nach Mitternacht, als die Mitarbeiterin der Kneipe in den Keller kommt. Sie stellt sich neben die Holzgarnitur vor der Bahn: „Sooo, letzte Runde!“ Das Tablett stellt sie zwischen Pizzastücke und Geburtstagskuchen, beginnt die Gläser einzusammeln. Als alles sortiert ist, bleibt sie stehen. Ein Schritt Richtung Tablett, als wollte sie gehen. Dann dreht sie sich um, Richtung Bahn. Greift zur Kugel. Wirft. Fünf Kegel fallen. „Noch einer!“, ruft jemand von der Bank. Wieder ein Schritt weg, kurzes Zögern, und dann doch: So schmeißt sie an dem Abend nicht die letzten Gäste raus, sondern Wurf um Wurf die Kegel um. Linn Bertelsmeier

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