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Wenn bloß der Wucher der anderen stört

Eine Freundin sucht dringlich eine Wohnung. Gern in Altona-Altstadt, wegen der Kita und der Freunde und so. Die Auswahl ist, wie auf dem Hamburger Wohnungsmarkt üblich, begrenzt und hochpreisig. Als moralische Unterstützung begleite ich sie an diesem Tag: 51 Quadratmeter, die Lage passt, es gibt einen Garten, der mitbenutzt werden darf und die Dachgeschosswohnung wurde sogar mal gedämmt.

Anders als das winzige Haus, das sie sich zuvor angeschaut hatte. Von der Hausverwaltung tauchte niemand auf, die bisherige Mieterin wusste nichts von dem Termin, ließ die Interessenten aber dennoch rein. „Ich rate dir dringend ab“, sagte sie meiner Freundin. „Du kannst nicht gegen die fehlende Dämmung anheizen.“

Hamburg-­Altona-Altstadt

29.700 Ein­wohner*innen.

Der berühmte Fischmarkt gehört ebenso zu dem dicht bebauten Stadtteil wie der 1611 errichtete Jüdische Friedhof Altona. Im zweiten Quartal 2026 lag der Mietpreis hier im Schnitt bei 15,33 Euro pro Quadratmeter.

Die Dachgeschosswohnung kam aber infrage, meine Freundin bekam am nächsten Tag eine Zusage. Und wir rechneten nach, ob die verlangte Miete überhaupt im rechtlichen Rahmen liegt. Das tat sie nicht, mit mehr als 18 Euro pro Quadratmeter war sie sogar deutlich über dem Mietspiegel. Auf die Frage, warum denn, sagte das Eigentümerehepaar: Sie fänden das eben angemessen. Und dass man sich vielleicht ja auf der nächsten Demo gegen hohe Mieten sehe. Da, so sagten sie es, gehen sie nämlich hin. Ilka Kreutzträger