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Wenn Frauensolidarität eher was Theoretisches ist

Vor dem Blumenladen stehen die Leute Schlange. Wie immer, denn er macht erst mittwochs auf, und wenn die Blumen alle sind, wieder zu. Oft schon am Freitag. Aber heute sind es nur ein paar Leute.

Kurz vor der offenen Eingangstür unterhalten sich zwei Frauen. Die eine lästert lauthals über die Verkäuferin in einem anderen Blumenladen: „Draußen drängeln sich die Leute – aber sie sagt: ‚Hier bekommt jeder seine Zeit, einer nach dem anderen.‘“ Sie äfft dabei ihre Stimme nach. Ihre Begleiterin versucht, die Verkäuferin in Schutz zu nehmen: „Die steht ja auch ganz schön unter Druck da.“ Aber die eilige Kundin lässt nicht locker: „Und mit dem Zusammenrechnen hates auch nicht geklappt, kam eine völlig falsche Summe raus!“ Als sie sich beschwert habe, sei wieder was Falsches raus gekommen.

Hamburg-Sternschanze

7.700 Ein-

w­ohner*innen.

Mit 0,6 Quadratkilometern Hamburgs kleinster Stadtteil, aber dicht besiedelt. Hier machen sich immer mehr Filialisten breit. Der Blumenladen in der Susannenstraße ist eines der Traditionsgeschäfte, die gefühlt schon immer da waren.

Einen Augenblick später sind die beiden dran. Sie werden mit der gewohnten Schnörkellosigkeit bedient und bekommen auf Anhieb die richtige Summe gesagt. „Schönen internationalen Frauentag“, wünscht die Verkäuferin. Die Meckertante hält kurz inne, sagt dann: „Ja, äh – Frauenkampftag!“ Weil sie es besser weiß. Jan Kahlcke