Weltwirtschaftsforum in Davos: Negativpreis für US-Bergbaukonzern

Die Newmont Mining Corporation wird auf einer Gegenveranstaltung zu Davos für ihre üble Geschäftspolitik ausgezeichnet. CDU-Mann Heiner Geißler fordert eine "ökosoziale Marktwirtschaft".

Das Weltwirtschaftsforum in Davos steht 2009 unter dem Motto "Gestaltung nach der Krise". Bild: ap

DAVOS taz Das World Economic Forum (WEF) der Politik- und Wirtschaftselite im Schweizer Ort Davos hatte gerade erst begonnen, als die Kritiker auch schon auf den Plan traten. Im rustikalen Hotel Montana außerhalb der Bannmeile, die die Schweizer Polizei um das Kongresszentrum gezogen hatte, stellte Ex-CDU-Generalsekretär und Globalisierungskritiker Heiner Geißler die Legitimität des WEF infrage.

Die Teilnehmer seien "unfähig, die Globalisierung human zu gestalten", sagte Geißler. Ihre Ideologie der Marktgläubigkeit habe "zum Bankrott des Kapitalismus" geführt. "Das jetzige System hat sich erledigt, es muss ersetzt werden durch eine ökosoziale Marktwirtschaft."

Konkrete Beispiele hatten die WEF-Kritiker auch parat. 40 Verbände hatten bei der Organisation Erklärung von Bern (EvB) und Greenpeace Vorschläge für Konzerne eingereicht, denen dieses Jahr der Schmähpreis für die unsozialste und umweltfeindlichste Politik gebührt. Die Wahl fiel auf die US-Bergbau-Firma Newmont Mining Corporation.

Der Konzern, der 15.000 Menschen beschäftigt und 2007 rund 5,5 Milliarden US-Dollar umsetzte, plant in Ghana eine Goldmine, für die er 10.000 Kleinbauern ohne Entschädigung umsiedeln will. Außerdem nutze er zur Goldgewinnung Zyankali, das die Umwelt vergifte und Landwirtschaft unmöglich mache.

Auf der Auswahlliste stand neben der Schweizer Bank UBS auch die britische Handelskette Tesco. Dem für vorbildliche Umweltpolitik und einen hohen Anteil von Biolebensmitteln bekannten Unternehmen kreiden die Kritiker an, Textilien in Bangladesch zu unsozialen Bedingungen fertigen zu lassen. Dort bekämen die Näherinnen Löhne, die kein menschenwürdiges Leben ermöglichen. Von den kritisierten Unternehmen waren keine Stellungnahmen zu erhalten.

Die Negativpreise werden seit zehn Jahren verliehen. EvB und Greenpeace wollen die Öffentlichkeit und die Verbraucher mobilisieren, um Druck auf die Unternehmen auszuüben.

Das WEF, das von den größten Konzernen der Welt getragen wird, steht im Zeichen der Finanz- und Wirtschaftskrise. Unter dem Titel "Gestaltung nach der Krise" debattieren die Konzernvorstände und Spitzenpolitiker, wie lange der Abschwung dauern wird und wie man ihn überwinden kann. Einige Treffen dienen der Vorbereitung des G-20-Gipfels der Industrie- und wichtigsten Schwellenländer Anfang April in London, auf dem ein bändigender Rahmen für die internationalen Finanzmärkte beschlossen werden soll.

Wegen der weltweiten Finanzkrise reisen dieses Jahr besonders viele Politiker nach Davos. Unter ihnen sind auch der britische Premierminister Gordon Brown, der israelische Präsident Schimon Peres und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt am Freitag.

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