: Weiter namenlos
■ Über Namensschilder für KOBs noch nicht entschieden
„Vorsätzlich verschlampt“ hat der Innensenat die Umsetzung eines Beschlusses des Abgeordnetenhauses, wonach in Zukunft die Kontaktbereichsbeamten der Polizei (KOBs) Namensschilder tragen sollten. So lautet zumindest die scharfe Kritik von FDP, SPD und AL an Senator Kewenig.
Bereits im September 1986 hatte die AL zum wiederholten Male mit einem Antrag im Abgeordnetenhaus für alle Polizeibeamten das Tragen von Namensschildern gefordert. Die SPD-Fraktion hatte damals wie heute die Vorstellung, daß auch andere Beamte im öffentlichen Dienst sich ihren Namen an die Brust heften sollten. Die Regierungskoalition hatte den AL-Antrag zwar abgelehnt, selber allerdings mit einem Änderungsantrag die Kennzeichnung der KOBs - auch mit der Stimme von Kewenig - beschlossen. Nach heftigen Protesten des Polizeipersonalrates landete der Beschluß bei der Einigungsstelle, die sich gegen Namensschilder aussprach. Anfang September verstrich die Frist, in der der Innensenator die Entscheidung der Einigungsstelle hätte aufheben können. Wie Innensenatssprecher Birkenbeul lapidar erklärte, hat Kewenig „keine Veranlassung“ gesehen, die Entscheidung dem Senat zur höchsten Entscheidung vorzulegen.
„Wir sind jetzt sauer“, erklärte FDP-Sprecher Mayer, „und werden diese Unterlassung nicht hinnehmen. Seine Fraktion werde das Thema im Innenausschuß wieder aufgreifen. Man könne das Parlament ja gleich abschaffen, „wenn der Senat nur die Beschlüsse umsetzt, die ihm passen“, empört sich der SPD-Abgeordnete Lorenz.
Für die AL war es hingegen keine Neuigkeit, daß dieser Innensenat Beschlüsse des Abgeordnetenhauses mißachtet. Sie will den Antrag für Namensschilder erneut stellen. Nur die Gewerkschaft der Polizei hat Kewenigs Anerkennung der Entscheidung der Einigungsstelle als „beispielhaftes Demokratieverständnis“ gelobt.
an
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen