: Wahl abgesagt - oder?
■ Verklebte Wahl–Türschlösser, abgesagte Blasmusik, freie Getränke–Wahl - So machte das Wählen Spaß
Berlin (dpa/taz) - Freude oder Enttäuschung - je nach Wahl– Lust in Aachen, Münster und Kirchheim/Teck: Die Wahl ist abgesagt! Rundgefunkt wurde die Entwarnung: Flugblätter, die die Stimmberechtigten (des)informierten, die Wahl fiele aus, entpuppten sich als Fälschung. Auch andernorts in der Republik der Wahlabhängigen ging es nicht ganz mit rechten Dingen zu. In Tübingen waren Schlösser von Wahllokalen verklebt und mußten aufgesprengt werden, bevor der Weg zu den Urnen frei wurde. Enttäuschung für den Alpenkönig Franz–Josef Strauß: Diesmal spielte nicht, wie üblich, eine Blaskapelle auf, um die Stimmabgabe des Berg– Grantlers musikalisch würdig zu begleiten. „Wir ließen es heuer etwas ruhiger angehen“, bekannte ein mutiger Wahlhelfer in Kreuth. Doch der Souverän blieb souverän, auch wenn ihm der Marsch nicht geblasen wurde: Seine Stimme zählt jetzt. Die „Schicksalswahl“ fand bei den Auslandsdeutschen wenig Interesse. Nur 32.000 hatten sich ins Wahlregister eintragen lassen, was den Bundeswahlleiter traurig machte. Doch wer will den Auslandsdeutschen böse sein, wenn sie, wie sie sich zum Beispiel in Rio de Janeiro beschwerten, durch die lahme deutsche Bürokratie nicht einmal Wahlunterlagen zugestellt bekamen? Daß das staatsverdrossen macht, verwundert nicht. Vorbildlich dagegen die Hallig Gröde, wo die Nordlichter hell erstrahlten: Eine hundertprozentige Wahlbeteiligung konnte der dortige Wahlleiter schon am frühen Nachmittag melden. In Bonn hatten Interessierte gestern abend Getränke–Wahl: Zur Wahlboykott–Fete in einem Kulturzentrum lockten die Veranstalter mit einem Freigetränk für jeden abgegebenen Originalstimmzettel: Wahlweise Kölsch, Pils, Alt oder Saft. Motto: „Wahlen ändern nichts, sonst wären sie verboten.“ Und verboten waren sie ja nicht, nicht einmal abgesagt zwischen Aachen, Münster und Kirchheim/Teck. ci
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