WAS MACHT EIGENTLICH ...Michael Cramer? : An Rudi Dutschke erinnern
„Gutmensch im besten Sinne des Wortes“ – so hat Michael Cramer, Mitglied des Europaparlaments, Rudi Dutschke genannt. Er tat es in einer Rede zu Heiligabend, auf den Tag genau 25 Jahre nach dem Tod dieses Kopfes der Studentenbewegung von 1968. „Gutmensch“, das ist ein schönes Wort für einen, dessen Wärme, Charisma und Intelligenz praktisch alle erwähnen, die ihm je begegnet sind.
Auch Cramer ist ein „Gutmensch“, er strickte bei Debatten im Abgeordnetenhaus, wusste immer vom Radfahren zu erzählen und konnte einen Radwanderweg über den ehemaligen Todesstreifen hinweg als sein politisches Erbe für die Stadt durchdrücken – viel mehr nicht, dazu war er viel zu lange in der Opposition. Cramer versinnbildlichte, was aus den feurigen Zeiten von 1968 und den Visionen eines Dutschkes in den Achtzigern und Neunzigern geworden ist: ziemlich viel Schwarzbrot. Aber ein Radwanderweg, immerhin.
In seiner Rede für Dutschke lobte Cramer jetzt die taz-Initiative der Umbenennung der Kochstraße in Rudi-Dutschke-Straße: „Ich halte das für eine außerordentlich gute Idee, auch deshalb, weil es dann eine Kreuzung Axel-Springer-/Rudi-Dutschke-Straße gibt.“ Springer sei der „ ‚geistige‘ Attentäter“ Dutschkes gewesen – allerdings habe eines beide verbunden: „Sowohl Dutschke als auch Springer fanden sich niemals mit der deutschen Teilung und der Berliner Mauer ab“, so Cramer. Zudem wäre eine Kreuzung Springer-/Dutschke-Straße eine „alltägliche Berliner Geschichtswerkstatt“. GES FOTO: ARCHIV