: Voyeure
■ betr.: „Gefahr für den öffentlichen Frieden“ (Ein Comicbildchen mischt die Kölner Klerikalen auf), taz vom 11.6.94
Es ist doch sehr beruhigend, daß die katholische Kirche keine größeren Probleme hat als dieses Comicbildchen. Daß sie auf die über 100 Obdachlosen, die rund um ihren Dom leben, eher ihre Kraft und Zeit vertun sollte, was Jesu Lehre weit mehr entsprechen würde als das strafrechtliche Verfolgenlassen von Bildchen, darauf kommt sie allerdings nicht. Daß die widerlich an den Dom gebauten Souvenirläden und die darin angebotenen Artikel alles andere als wichtige Bauten beziehungsweise Utensilien für einen gläubigen Christen sind, stört sie genausowenig. Aber mit irgend was muß man sich doch wichtig machen. Da bietet sich dieses Bildchen doch geradezu an.
Dabei zeigt das Bild nur, daß Schwester Maria-Theresia eine Voyeurin gewesen sein könnte, die genau wissen wollte, was sich in Jesu Lendenschurz verbarg. [...] Maria-Theresia wird doch nur menschlich gezeigt, denn wir sind doch unter anderem durch das Fernsehen alle irgendwie Voyeure und kriegen jeden Tag Tote in Nahaufnahme frei Haus geliefert. Von daher paßt das Bild in die Zeit, die Anzeige hingegen nicht. Ingo Kindgen, Bergheim
Gemeinsam für freie Presse
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen