Das Detail: Vorsicht Menschenrechte
Foto: National Gallery Victoria/dpa
DOOFLego will Ai Weiwei keine Steine für ein Kunstwerk in Australien verkaufen.
Eigentlich wollte der chinesische Künstler und Menschenrechtsaktivist Ai Weiwei Legosteine für ein Kunstwerk bestellen. Mit den mehrfarbigen Bausteinen plante er, Porträts prominenter australischer MenschenrechtsaktivistInnen in der Nationalgalerie von Victoria auszustellen. Doch die dänische Firma lehnte die Bestellung ab. Man wolle keine politischen Aktionen unterstützen, hieß es. Stimmt schon: MENSCHENRECHTE sind ein Wert, den zu unterstützen man sich sehr, sehr gut überlegen muss. Der Shitstorm, der darauf folgte, war nicht abzusehen.
Ai Weiwei wird also wieder zensiert. Erst verordnete ihm die chinesische Regierung ein jahrelanges Reiseverbot wegen seiner regimekritischen Kunstwerke. Im Namen des Kommunismus. Nun will Lego nicht mit ihm kooperieren. Im Namen des Kapitalismus. Was führt Lego damit im Schilde? Neutral bleiben, um das Image zu schützen? Das ging daneben. China begünstigen? Mit der Abschaffung der Ein-Kind-Politik werden auf dem chinesischen Markt bestimmt bald mehr Legosteine gekauft. Konsequent sein? Sicher nicht. Im letzten Jahr hatte der Konzern mit dem Ölgiganten Shell kooperiert. Autofahrer, die an Shell-Tankstellen 30 Liter Super oder mehr tankten, bekamen Lego-Rennautos geschenkt. Erst nach heftiger Kritik von Greenpeace wurde die Aktion eingestellt.
Die Solidarität mit Ai Weiwei indes ist groß: Nach dem Streit hat der 58-Jährige nun in großen Städten rund um den Globus Autos aufstellen lassen, in die Unterstützer wie in eine Spardose durchs Dach Bausteine einwerfen können. In Berlin steht ein Sammelauto vor dem Martin-Gropius-Bau. Es wird so fleißig gespendet, dass Ai Weiwei nun eine größere Kunstaktion über Meinungsfreiheit und politische Kunst plant.
Nicholas Potter
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen