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Von Sicherheit keine Spur

■ Serie: Berlins schlimmste Straßen (1): Der Kaiserdamm in Charlottenburg hat die höchste "Unfallkostendichte" aller Berliner Straßen / 482 Unfälle mit Radfahrern

Den Kaiserdamm sollten Verkehrsteilnehmer tunlichst meiden – ganz gleich, ob sie zu Fuß, mit dem Auto oder gar mit dem Fahrrad unterwegs sind. Denn bei einer „Studie zur stadtverträglichen Belastbarkeit der Berliner Innenstadt durch den Kfz-Verkehr“ kam die Geschäfts- und Wohnstraße ganz besonders schlecht weg.

Nach den Ergebnissen der Gutachtergruppe der Berliner Gesellschaft für Informatik, Verkehrs- und Umweltplanung mbH (IVU) und der Berliner Forschungsgruppe Stadt und Verkehr (FGS) liegt der Kaiserdamm in der Tabelle der „40 schlechtesten Straßen im Bewertungsfeld Sicherheit in der Berliner Innenstadt“ auf Platz 1, allerdings hart bedrängt von seiner eigenen Verlängerung: der Bismarckstraße.

Die Gutachter berücksichtigten dabei die durchschnittlichen Kosten durch Unfälle pro Kilometer, die Möglichkeit, eine Straße sicher zu überqueren, und die durchschnittliche Geschwindigkeit von Autos.

Die Fraktion der Grünen/AL in der BVV sehen einen Grund für die hohen Unfallziffern darin, daß Radfahrer noch immer nicht als vollwertige Verkehrsteilnehmer anerkannt würden. Nur so sei auch zu erklären, so Joachim Schmitt, daß die Zahl der verunglückten Radfahrer „von 347 im Jahr 1991 auf 482 1992 angestiegen“ sei. Die Fraktion fordere daher ein „Umdenken bei der Radverkehrsplanung“.

Die Studie rechnet auf, daß die volkswirtschaftlichen Kosten pro Kilometer Kaiserdamm 1989 über 2,3 Millionen Mark betrugen, auf voller Länge also rund 3,5 Millionen. „Grundlage sind die Berechnungen zu Unfallkosten nach den Richtlinien für die Anlage von Straßen, mit denen die volkswirtschaftlichen Verluste durch Straßenverkehrsunfälle als Zahlenwert dargestellt werden“, so die Gutachter. Dabei wird von Durchschnittskosten ausgegangen, nach denen ein leichter Sachschaden 5.900 Mark kostet, ein schwerer 20.000 Mark, und nach denen die Gesellschaft für einen Unfall, bei dem eine Person getötet wird, 1,2 Millionen Mark aufbringen muß.

Zwar empfinden die Gutachter diese Aufrechnung selbst als „zynisch“, doch gilt die Berechnung der „Unfallkostendichte“ in der Straßenplanung als üblich. Mit seinen 2,3 Millionen pro Kilometer liegt der Kaiserdamm noch nicht einmal an der Spitze, wo der Hermannplatz mit über 6,5 Millionen Mark alle traurigen Rekorde bricht. Doch zugleich wird in Charlottenburg permanent zu schnell gefahren: Obwohl die Gutachter die 15 schnellsten Prozent der Autofahrer nicht einbezogen haben, fährt der Rest mit durchschnittlich 60 Kilometern in der Stunde deutlich zu rasant.

Außerdem ist der Kaiserdamm so viel befahren, daß Fußgänger die breiten Spuren ohne Ampeln kaum überqueren können: Zwischen der Zeit, die zur Überquerung nötig wäre, und der, die einem der fließende Verkehr läßt, klafft eine Lücke von fast 50 Sekunden. Christian Arns

Nächste Folge: Werbellinstraße.

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