Volontariat 2018: Leiden und Lernen

Die Ausbildung zum Journalisten erfolgt auch durch die schwierigen, manchmal überfordernden Situationen, in die man geschickt wird.

Bild: Torben Becker

Die taz gab es für mich schon lange vor dem Volontariat: in den Projekten taz meinland, taz lab oder taz gazete. Hier habe ich begonnen, den Beruf des Journalisten zu erlernen. Aber ohne die beflügelnden und entmutigenden, aufregenden und erschöpfenden Erlebnisse im anschließenden Volontariat könnte ich meinen Beruf heute nicht so gewissenhaft ausüben. 

Es gibt viele schöne Erinnerungen an das Volontariat. Momente der Unterstützung, der Solidarität und Gemeinschaftlichkeit. Viele Momente mit Kolleg:innen, von denen heute viele gute Freund:innen geworden sind. Es war aber nicht immer leicht, Volontär in der taz zu sein. Das gehört allerdings gewissermaßen zum Konzept. Man wird hier zum Journalisten ausgebildet auch durch die schwierigen, manchmal überfordernden Situationen, in die man geschickt wird.

Plötzlich entscheiden, was auf den Seiten laufen soll

So verantwortete ich bei meiner ersten Station im Inlandsressort in meinen Schichten als Produzent urplötzlich die beiden prominenten Seiten des Ressorts. Das heißt, ich durfte auf einmal entscheiden, was auf den Seiten laufen soll. Ich musste einschätzen, wer fähig und zuverlässig genug ist, diese wichtigen Inhalte pünktlich zu liefern. Ich musste mit den verantwortlichen Layouter:innen und Fotoredakteur:innen über die richtige Aufteilung der Seite und die passende Bebilderung diskutieren.

Ich musste mich mit Kolleg:innen auseinandersetzen, die viel älter waren, sicherer, konfliktfreudiger. Dieser frühe Sprung ins kalte Wasser zwang mich zu schnellen, durchdachten, verantwortungsvollen Entscheidungen. Das war nicht immer angenehm. Ich frage mich mich heute aber, ob ich so viel gelernt hätte, hätte man mich nicht derart gefordert. Was ich ganz sicher weiß: Aus der beschriebenen Not konnte deshalb Tugend werden, weil mir die taz schon sehr früh großes Vertrauen schenkte. 

Dieses Vertrauen konnte ich auch bei weiteren Schlüsselerlebnissen während des Volontariats genießen: bei einer Recherche zu den Arbeitsbedingungen am neuen Istanbuler Flughafen, für eine Reportage aus Solingen im Vorfeld des 25. Jahrestages des dortigen rassistischen Anschlags, bei der Berichterstattung von den rechtsextremen Ausschreitungen in Chemnitz oder über den sich in Berlin anbahnenden Mietendeckel.

Hochgefühle und Entmutigungen 

Für die Möglichkeit all das erleben zu können, mit allen Hochgefühlen und auch Entmutigungen, die dazu gehören, möchte ich ich mich bei der taz Panter Stiftung bedanken. Ich bedanke mich bei ihr, dass sie mir die Chance gegeben hat, den Beruf des Journalisten zu erlernen – wo wir doch immer noch in einem Land leben, in dem dieser Beruf als elitär gilt und für Menschen aus bestimmten Milieus tatsächlich schwer zugänglich ist.

Während meines sozialwissenschaftlichen Studiums verzweifelte ich mit meinem Mitbewohner bei einer Zigarette darüber, was nur aus uns werden soll. Wir liebten, was wir taten, vor allem was wir lasen, aber wir wussten auch, dass wir uns mit dieser Disziplin etwas Brotloses ausgesucht hatten. Mein Freund schlug den Beruf des Journalisten vor. Er erzählte von einer Journalistenschule, auf der man diesen Beruf erlernen kann. Er erzählte aber auch davon, wie schwierig es wäre, dort aufgenommen zu werden. Der Berufswunsch, den ich am Anfang der Unterhaltung zu entwickeln begann, erlosch noch in derselben Unterhaltung. Wie sollte es so jemand wie ich, das Kind einer migrantischen Arbeiter:innenfamilie, jemals auf so eine Schule schaffen?

Ein paar Jahre später kam ich zuerst für den taz Panter Workshop und später für ein Praktikum zur taz. Die Menschen hier gaben mir das Gefühl, dass es auch so einer wie ich mit dem Journalismus probieren kann. Ich nahm die Chance gerne wahr.