Videospiele Wii, PS3 und Xbox: Greenpeace warnt vor Gift in Konsolen

Umweltschützer haben die Toxizität von Bauteilen in Spielekonsolen überprüft. Ergebnis: Sony, Microsoft und Nintendo verwenden zahlreiche Gefahrstoffe.

Öko-Sünde? Spielekonsole Wii Bild: dpa

BERLIN taz Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat die Hersteller der marktführenden Videospielekonsolen zu mehr ökologischem Engagement aufgefordert. Wie der Verband am Dienstag in Amsterdam mitteilte, habe eine Untersuchung der verwendeten Bauteile in Nintendo Wii, Sony PS3 und Microsoft Xbox 360 ergeben, dass die Hersteller noch immer Gefahrstoffe wie PVC, Beryllium, Phthalate und bromierte Flammschutzmittel verbauten. Zwar bewegten sich die Anbieter damit im Rahmen europäischen Umweltrechts, dennoch müssten die Stoffe schnellstmöglich ausgetauscht werden, um Gefahren für den Menschen zu vermeiden - insbesondere bei der Endlagerung. "Die Technologie ist für die Hersteller längst verfügbar, Spielekonsolen ohne solche Giftstoffe zu entwickeln und herzustellen. Grünere Konsolen sind möglich", sagte Kevin Bridgen von der Greenpeace-Forschungsabteilung. Erste Ansätze dafür fanden die Wissenschaftler in Nintendos Wii: Dort stellten sie beispielsweise keine Berylliumlegierungen mehr fest.

Nintendo selbst bekam als Firma trotzdem keine gute Note von den Umweltschützern: Es fehle dem Unternehmen bislang völlig an Ökoregelungen, sagte Zeina Al-Hajj, Koordinatorin des Greenpeace-Programmes gegen Gift in Elektronik. Der japanische Hersteller orientiere sich allein an der aktuellen, üblicherweise nicht allzu strengen Gesetzeslage und gehe nicht darüber hinaus. Einige der in den Konsolen verbauten Stoffe wie Phthalate, die unter anderem in das Fortpflanzungssystem des Menschen eingreifen können, seien nach EU-Recht in Spielzeug eigentlich nicht erlaubt. Die Hersteller umgingen diese Regelungen allerdings, in dem sie ihre Geräte als Elektronik klassifizierten. "Hier sehen wir eine Lücke, für uns sind das Spielzeuge", meinte Al-Hajj. Letztlich ginge es aber darum, dass diese Chemikalien gänzlich aus den Geräten verschwänden: "Egal ob es nun als Spielzeug eingeordnet wird oder nicht."

Nintendo entgegnete gegenüber der britischen "BBC", man halte sich strikt an die notwendigen EU-Direktiven. Auch orientiere man sich an den Standards für Spielzeug. Bei Sony hieß es, man habe sich inzwischen mit Firmen wie HP und Electrolux zusammengetan, um eine europäische Recycling-Plattform zu bilden. Greenpeace kritisierte allerdings, dass der Hersteller seine im Bereich von Handys und Notebooks gemachten Fortschritte der letzten Jahre nicht auch bei den PS3-Geräten umsetze. "Wenn man die Chemikalien aus Laptops heraushalten kann, warum dann nicht auch aus Spielekonsolen?", fragte Al-Hajj. Microsoft will wiederum bis 2010 bromierte Flammschutzmittel aus seinen Geräten entfernen. Greenpeace befürchtet, dass es trotz all dieser Bemühungen keine sicheren Wege gibt, den Elektronikschrott umweltgerecht zu entsorgen. So lande das gefährliche Material noch immer tonnenweise in der Dritten Welt.

Sony, Nintendo und Microsoft sind in der IT- und Elektronikbranche keineswegs ein Sonderfall - auch andere Hersteller von Computertechnik werden von Greenpeace seit Jahren kritisiert. Allerdings wächst der Konsolenmarkt derzeit besonders schnell und wurde so in den letzten Jahren zu einem großen "E-Müll"-Lieferanten. Der Protest beginnt allerdings, Wirkung zu zeigen. So begann Apple damit, neue Rechner recyclingfreundlicher zu gestalten und äußerste sich in Form von Firmenchef Steve Jobs erstmals zu seinen Umweltschutzbemühungen. Rechner wie der neue Laptop MacBook Air enthalten seither weniger Schadstoffe und setzen auf Stoffe wie Aluminium, die leicht wiederverwendet werden können. Gänzlich "grüne" Elektronik wird es nach Ansicht von Wissenschaftlern aber erst in einigen Jahren geben. Hauptaugenmerk müssten die Hersteller deshalb auf leichte Materialtrennbarkeit legen und besonders giftige Stoffe schnell ersetzen.

Auch in anderen Bereichen ist moderne Elektronik keineswegs umweltfreundlich. So steigt der Energieverbrauch etwa durch die Nutzung des Internet und die damit verbundenen Rechnerparks deutlich an. Laut Untersuchungen der TU Dresden soll das Netz in 23 Jahren so viel Strom verbrauchen, wie heute für die gesamte Weltbevölkerung anfällt. Immerhin ist es allerdings möglich, durch Telearbeit Reisekilometer einzusparen. Auch wächst die Nachfrage nach "Green-IT" stetig - sparsamen Rechenzentren und Desktop-Rechnern mit wenig Energiebedarf.

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