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„Victoria Beckham weiß, dass man es diesem Publikum nicht recht machen kann“

Matthias Kalle

Offenbar gibt es sehr viele Menschen, die wissen, wie man sich während eines Fußballspiels im Stadion zu verhalten hat, und diese Menschen haben sich in den vergangenen Tagen auf ­Victoria Beckham gestürzt, weil sie beim englischen Siegtor gegen Norwegen sitzen blieb, während die Männer um sie herum alle verfügbaren Gliedmaßen in die Luft reckten.

Tja – als ob das schlimm wäre. Die Stadien waren während dieser WM so eine Art Emotionsfabriken: Kameras suchten Gesichter, die lieferten – Jubel, Tränen, Ekstase –, damit die Fernsehzuschauer was zu gucken hatten, wenn der Ball mal nicht rollte. Victoria Beckham lieferte nicht. Seit dreißig Jahren nicht. Und das ist nicht kalt, sondern konsequent. Wie entlarvend die Empörung über sie war, zeigte das Halbfinale: Da jubelte sie beim Führungstor, sprang auf, fiel ihrem Mann um den Hals – und prompt hieß es, das sei jetzt aber alles gespielt.

Matthias Kalle leitet ­gemeinsam mit Luise Strothmann die wochentaz.

Victoria Beckham weiß, dass man es diesem Publikum nicht recht machen kann. Ihr unbewegtes Gesicht ist die Antwort auf eine Welt, die Gefühle nicht sehen, sondern verwerten will.

Nach dem Abpfiff tröstete sie ihren weinenden Mann, einen ehemaligen Fußballer.