: Verroht oder feige-betr.: Altenpflege (Altenheime)
betr.: Altenpflege (Altenheime)
Einige Artikel habt Ihr uns ja gewidmet. Die tarifliche Auseinandersetzung war für die meisten von uns erfolgreich. Ausgenommen die kirchlichen Träger, die Propheten der Menschlichkeit.
Der Pflegenotstand wird aber durch Höhergruppierungen und die längst fällige Gleichstellung mit der Krankenpflege nicht behoben. Das Eintreten in die ÖTV ist ein wichtiger Schritt für jede/n im politischen Kampf. Außerdem müssen spezifische Widerstandsmodelle entwickelt werden, die je nach Heimstruktur unterschiedlich aussehen können. Wieso geschieht so wenig? Was sind das für KollegInnen, die in solchen Institutionen einem 12-Tage-Schichtrhythmus kritiklos gegenüberstehen, ihn sogar „normal“ finden? (Keine/r ist so richtig zufrieden, nur rebelliert auch niemand.)
Was sind das für KollegInnen, die jeden Tag daran mitwirken, daß alte Menschen verwaltet werden und kein selbstbestimmtes Altern in Heimen möglich ist? Was sind das für KollegInnen, die es in Ordnung finden, Medikamente über den Arzt zu verordnen, ohne alte Menschen mit einzubeziehen bzw. zu fragen? Hinzu kommt noch die Totalüberwachung. Früh -, Spät-, Nachtschicht- und Badepläne, überzogene Diätverordnungen, vordiktierte Aktivitäten (natürlich medizinisch-pflegerisch begründet), egal ob Menschen psychisch auf der Strecke bleiben. Definiert ihr das als Lebensqualität, was ihr dort an Menschen anrichtet? Oder ist es eure eigene Qualität, so zu leben.
Eure Macht auf den Stationen genießt ihr. 12 Tage Schichtdienst (Überwachung). Zeit zum Abreagieren und der eigenen Problematik auszuweichen. Das alles unter dem Deckmantel von Humanität und eventuell verstärkter politischer Arbeit.
Wer in diesen Institutionen nicht rebelliert, ist entweder verroht oder feige.
Christoph Brezden, Heidelberg
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen