: "Verpißt euch, ihr stinkt"
■ Fußballfans klagen Einsatzzug-Mitte wegen Körperverletzung an
klagen Einsatzzug-Mitte wegen Körperverletzung an
Lange Zeit war es ruhig um den „Einsatzzug Mitte 1“. Nach den Prügel-Orgien Ende der 80er Jahre gegen die autonome Szene, die zum Teil durchs Verwaltungsgericht für rechtswidrig erklärt wurden, war der Einheit eine neue Führung verpaßt und einige Schläger entfernt worden. Jetzt hat der Reviereinsatzführer der umstrittenen Lerchenwache, Jürgen Dommel, der bereits bei Einsätzen an der Hafenstraße aufgefallen ist, die Leitung des „Einsatzzuges Mitte 1“ übernommen. Und schon gibt es wieder blutige Szenen.
Es ereignete sich am vergangenen Wochenende im St.Pauli Stadion. Der Braunschweiger Journalist Wolgang Grabbe war mit drei Freunden zum Spiel seiner Eintracht ans Millerntor gekommen. Als St.Pauli den 1:1-Ausgleich schaffte, flogen aus dem unteren Teil des Braunschweiger Fanblocks Feuerwerkskörper. Grabbe: „Wir haben später erfahren, daß unten Ordner angegriffen worden sind.“
Plötzlich seien dann von oben Polizisten „überfallartig“ in den Block gestürmt. Opfer Wolfgang Peschel: „Sie kamen in unsere Richtung und prügelten mit den Schlagstöcken auf die Zuschauer ein. Keiner wußte, warum die Polizisten in die Ränge liefen.“
Nach Angaben von Wolgang Grabbe schlugen die Beamten auf ihn, seine Freunde und Fans ein, verletzten sie durch Schläge. Bilanz: Platzwunden am Kopf, Prellungen an Armen, Händen und Knien sowie am Oberkörper. Als die Verletzten Dienstnummern verlangten, gab es die typischen Antworten: „O8/15“ „4711“ Und: „Verpißt euch, ihr Braunschweiger stinkt doch alle!“
Polizeisprecher Hans-Jürgen Petersen weist die Vorwürfe zurück. Nach seiner Darstellung seien die Beamten massiv angegriffen worden. Petersen: „Die Kollegen sind geschlagen und getreten worden. Es wurde sogar noch auf Beamte eingetreten, die hilflos am Boden lagen. Daß dann die Kollegen vom Räum- und Abdrängstab Gebrauch machen, ist doch wohl nachzuvollziehen.“
Grabbe und und seine Freunde haben bereits bei der Braunschweiger Kripo Anzeige wegen Körperverletzung, Beleidigung und Nötigung erstattet. Für sie sind die Polizei-Angaben dumme Ausflüchte. Grabbe: „Das ist doch alles Quatsch. Wir haben niemanden geschlagen.“ Und auch ein Einsatzleiter räumt gegenüber der taz ein: „Es kann durchaus sein, daß Unbeteiligte etwas abbekommen haben.“ Kai von Appen
Umverteilung gegen rechts
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen