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Vernetzte Projekte statt schöne Fassade

■ Senatsbaudirektor verleiht Stadtbildpflegepreis an Hausbesetzer, Piratensender und Kulturkommune

Berlin. »Wir haben für das Geld Spaghetti gekauft«, erzählt ein Ex-Besetzer der Dunckerstraße 14-15 fröhlich. Das gute Dutzend Jungen und Mädchen mit Rasta-Locken und abgerissenen Hosen paßt kaum in das gepflegte Ambiente der Architekturwerkstatt des würdigen Senatsbaudirektors Hans Stimmann, der gestern in der Behrenstraße an sechs Ostberliner Projekte je ein Sechstel des diesjährigen Stadtbildpflegepreises, nämlich 6.666 Mark, verlieh.

»Wir wollen keine Preise für schöne Fassaden mehr vergeben«, sagte Stimmann. Die Jury bewertete vielmehr die Bemühungen der »multikulturellen Projekte«, das historische Stadtbild geschützt zu haben gegen die »monostrukturellen Großtafelbauten« der SED-Zeit. Dem »Geist des Umbruchs« solle die Chance erhalten werden, ein Lebensmodell zu verwirklichen, das die Probleme der No-future-Generation aufnimmt und progressiv bewältigt«, und zwar in Vernetzung mit dem Stadtteil.

Preise bekamen die in Mitte erscheinende Stadtteilzeitschrift 'Scheinschlag‘; die »Kulturkommune Alte Möbelfabrik« in Köpenick; das »Museum der verbotenen Kunst«, das in einem alten Grenzwachturm im Schlesischen Busch eingerichtet ist; die »Autonome Aktion WYDOKS« in der Schönhauser Allee, die einen Piratensender betreibt und für die Bezirkswahlen kandidiert; die »Kunst-Raum-Straße« in der Oderberger Straße und die ehemals besetzte Dunckerstraße 14-15, deren Seitenflügel letzten Sommer einer mehrfachen Brandstiftung zum Opfer fiel, der aber nun saniert wird.

Unter den Projekten, die sich bewarben, hatte die Jury 13 zur Besichtigung ausgesucht. Davon waren sechs in die engere Wahl gekommen. Von einzelnen Projekten sei vorgeschlagen worden, aus Solidarität überhaupt keinen Preis zu vergeben, sondern das Geld an sämtliche Häuser zu verteilen, damit die sich Kohlen kaufen können, so Katrine Cremer von der siebenköpfigen Fachjury. Dies sei aber nicht möglich gewesen. Stimmann hofft, daß es den Preis auch noch im nächsten Jahr geben wird. esch

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