Urananreicherungsanlage Gronau: Atomwirtschaft auf Expansionskurs

Der Ausbau der einzigen deutschen Urananreicherungsanlage, der UAA Gronau, ist abgeschlossen. Damit wird die Produktion von AKW-Brennstoffen fast verdreifacht.

Neuer Betriebsteil der UAA Gronau: "fully operational" - aber auch voll mit Material, das irgendwann irgendwo entsorgt werden muss. Bild: dpa

Die einzige deutsche Urananreicherungsanlage (UAA) im nordrhein-westfälischen Gronau wird ausgebaut. Ein neuer, UTA-2 genannter Anlagenteil sei nun "fully operational", also voll betriebsbereit, teilt die Betreiberfirma Urenco Deutschland GmbH auf ihrer ausschließlich englischsprachigen Internetseite mit. "Wir sind im Plan. Die Anlage ist in Betrieb", bestätigte Urenco-Sprecherin Antje Evers auf taz-Nachfrage.

An der Kapazitätserweiterung arbeitet Urenco bereits seit 2005. Nordrhein-Westfalens damaliger SPD-Energieminister Axel Horstmann hatte den Ausbau der UAA noch kurz vor der Abwahl der rot-grünen Landesregierung genehmigt - und wechselte nach den Landtagswahlen als Lobbyist zum Atomstromkonzern EnBW. Bereits im Sommer 2007 hatte Urenco verkündet, die Inbetriebnahme des neuen Anlagenteils stehe unmittelbar bevor, musste dann aber "technische Probleme" einräumen.

Vor der Erweiterung hatte die UAA eine Kapazität von 1.800 Tonnen "Urantrennarbeit" und konnte damit 14 Atomkraftwerke mit Brennstoff versorgen. Horstmann setzte eine Jahreskapazität von 4.500 Tonnen durch, das entspricht der Verarbeitung von etwa 7.000 Tonnen Natururan. Noch immer ist unklar, was mit dem bei der Anreicherung entstehenden Abfallprodukt Uranhexafluorid geschieht. Nach Schätzung der Anti-Atom-Bewegung hat Urenco seit 1996 mehr als 27.000 Tonnen Atommüll nach Russland exportiert - dabei warnen Atomkraftgegner wie Vladimir Sliviak von der russischen Umweltschutzorganisation Ecodefense, eine sichere Lagerung des Atommülls sei in den noch aus der Sowjetzeit stammenden Betrieben der Urenco-Partnerfirma Tenex nicht gewährleistet: Die Fässer mit dem Gronauer Uranhexafluorid, das bei Kontakt mit Luftfeuchtigkeit zu tödlicher Flusssäure reagiert, rosteten unter freiem Himmel vor sich hin.

Auf Druck von Ecodefense und von deutschen Anti-Atom-Initiativen wie Urgewald und dem Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen hatten die Vorstandsvorsitzenden der Energieriesen RWE und Eon, Jürgen Großmann und Wulf Bernotat, auf den Aktionärshauptversammlungen ihrer Konzerne im vergangenen Jahr angekündigt, die Atommülltransporte würden 2009 enden. RWE und Eon halten über ihre Tochter Uranit je 16,6 Prozent an dem britisch-niederländisch-deutschen Joint Venture Urenco.

Doch erst in der Nacht zum Donnerstag letzte Woche verließ der bislang größte Atommülltransport die UAA in Richtung Russland: Der über einen halben Kilometer lange Zug transportierte über 1.250 Tonnen Uranhexafluorid. Trotz der Zusagen von Großmann und Bernotat will Urenco-Sprecherin Evers nicht bestätigen, dass der Transport vom Donnerstag der letzte nach Russland gewesen ist: "Kann sein, vielleicht auch nicht", so Evers zur taz. Spätestens Ende 2009 sei Schluss, versichert dagegen ein RWE-Sprecher: "Die Verträge der Urenco mit ihren russischen Partnern laufen 2009 aus." Und bei der Eon-Tochter "Kernkraft" liegen derweil die Nerven blank. Mit den Atommülltransporten habe Eon "nichts zu tun", schreit eine Sprecherin ins Telefon: "Das ist nicht mein Atommüll."

Die Anti-Atom-Bewegung kündigt weitere Proteste bei den Jahreshauptversammlungen der Konzerne im April und Mai an - und ruft angesichts des von der Industrie wie von CDU und FDP infrage gestellten Atomausstiegs für den 25. April zu einem bundesweiten Aktionstag auf: Geplant sind Demonstrationen etwa in Münster und an den Atomkraftwerkstandorten Krümmel und Neckarwestheim.

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