: Untersuchung mit doppelten Handschuhen
■ Benachteiligung nicht-deutscher Frauen: Fehldiagnosen und Zwangsuntersuchungen
Manche ÄrztInnen in Bremer Krankenhäusern tragen zwei Paar Handschuhe während chirurgischer Angriffe bei nicht-deutschen PatientInnen. Nicht immer zeigt sich rassistische Diskriminierung von Frauen so krass. Eine Frau aus Ghana zum Beispiel bekam trotz Bauchbeschwerden und akuter Schleimhautentzündung von einem deutschen Arzt nur ein unspezifisches Medikament verschrieben, das eigentlich nur zur Schmerzlinderung gegeben wird. Nach acht Tagen war sie noch immer krank. Erst ein nicht-deutscher Mediziner nahm ihre Krankheit ernst. Das verschriebene Medikament half sofort.
In Bremen lebende Frauen aus der Türkei, Ghana, Kroatien und Togo haben bestätigt, daß sie bei medizinischen Behandlungen deutlich diskriminiert wurden. Oft ist es schwer, die rassistische Komponente in Begegnungen mit dem Gesundheitssystem zu erfassen. Werden die entsprechenden ÄrztInnen auf mögliche Diskriminierungstendenzen in ihren Behandlungen angesprochen, leugnen sie, ohne zu reflektieren. Auf die Frage, ob nicht doch die Gefahr bestehe, daß Abneigung gegen bestimmte Menschen aus anderen Kulturkreisen die Behandlung beeinflussen kann, reagierten einige nachdenklich.
Corinna Marecj, gebürtige Bremerin mit dunklen Haaren und dunkler Haut, sieht keinen Sinn mehr darin, zum Arzt oder zur Ärztin zu gehen: Bei einer Gynäkologin hatte Corinna Marecj den Eindruck, daß die Ärztin ganz bewußt kein Vertrauen zuließ. Alles, was die Patientin mit
Sprachliche Mißverständnisse können zu Fehldiagnosen führenFoto: Archiv
zuteilen versuchte, wurde abgeblockt. Und das, obwohl Corinna Marecj fließend deutsch spricht.
Größtes Problem für die nicht- deutschen Frauen ist die Sprachbarriere — dabei haben Verständigungsschwierigkeiten im medizinischen Bereich besonders fatale Folgen: Den Frauen gelingt
hier bitte das Foto
mit der Frau mit Kind
es nicht, ihre Krankheiten in aller Deutlichkeit darzustellen, was zu Fehl-Diagnosen führt. Die Patientinnen sind auf DolmetscherInnen angewiesen. Das sind dann meist die eigenen Kinder, Ehemänner oder Bekannte. Abgesehen davon, daß bei einer Übersetzung Informationen verloren gehen, bestehen außerdem Schamgefühle — zumal den meist männlichen Dolmetschern gegenüber.
Flüchtlings-Frauen sind besonders schlecht dran: Wenn sie in Gemeinschaftsunterkünften leben, sind sie nicht krankenversichert. Gesundheitsversorgung ist beschränkt auf die unabweisbare Hilfe im Einzelfall und auf „Notfälle“, die behördlich nach dem Ermessen von BeamtInnen definiert werden. Nicht selten wird dann dort Hilfe verweigert, z.B. mit der Begründung, „wo die ZuwanderInnen herkommen, stehen solch kostspielige Operationen auch nicht zur Verfügung“.
Aber auch bei Immigrantinnen, die ihren Krankenschein bewilligt und per Post zugeschickt bekommen, gibt es häufig Probleme — etwa, weil sich die SachbearbeiterInnen nicht die Mühe gemacht haben, den „fremdländischen“ Namen richtig zu schreiben. Notwendig für korrekte Diagnosen, schnelle Heilung und geringere Krankenkosten wäre eine von den Krankenkassen bezahlte Dolmetscherin.
Die Bremer Gesundheitssenatorin hat nun auf diesen Mißstand reagiert und eine Studie zur „Gesundheitlichen Lage und Versorgung der Flüchtlinge in Bremen“ in Auftrag gegeben. endlich auch hier zum ersten Umdenken bereit. Die Studie von Dr. Zahra Mohammadzadeh sagt, daß man von der alten Tradition der Zwangsuntersuchung von Flüchtlingen Abstand nehmen solle. Weiter versucht die Studie, Vorurteile gegen Fremde abzubauen, indem sie Beweise dafür liefert, daß Ängste vor „ansteckenden Krankheiten von Fremden“ oft nur Spekulation sind.
Dr. Norbert Schmacke vom Hauptgesundheitsamt hat eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich an Tagungen des Ethno-Medizinischen Zentrums in Hannover beteiligt und sich mit holländischen KollegInnen austauscht — ein Land, in dem die Frage der gesundheitlichen Angebote weniger ideologisch diskutiert wird. Rose Baaba Folson
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