Unterstützung für Frauenhäuser: Mehr Schutz für mehr Frauen

Der Senat soll prüfen, ob Frauenhäuser und Hilfsangebote für Frauen mehr Geld und qualifizierte MitarbeiterInnen benötigen

Ist sie berufstätig? Dann wird ihr Aufenthalt im Frauenhaus bislang nicht finanziert Bild: dpa

BREMEN taz | Ob alle Frauen, die von ihrem Ehemann geschlagen werden, in Bremen angemessene Hilfe bekommen, soll überprüft werden. Das beschloss am Donnerstag die Bürgerschaft einstimmig. Innerhalb von sechs Wochen soll der Senat dem Gleichstellungsausschuss einen Bericht vorlegen, der klärt, ob die Qualifikation der Beratenden und die finanzielle Ausstattung der Hilfsangebote ausreicht.

Den Anstoß dafür gab die Linksfraktion. Sie hatte gefordert, die Finanzierung von Frauenhäusern neu zu regeln und die Einrichtungen durch Landesmittel zu unterstützen. Denn seit 2001 finanzieren sich die Häuser allein durch Tagessätze, etwa 40 Euro, die vom Jobcenter pro Übernachtung einer Frau bezahlt werden. Und darin liegt das Problem: Nur für Frauen, die berechtigt sind, Sozialleistungen zu beziehen, wird ein Aufenthalt bezahlt. Kein Geld bekommen StudentInnen, Auszubildende, berufstätige Frauen oder jene, die keinen legalen Aufenthaltsstatus haben. Zwischen 420 und 550 Frauen pro Jahr suchen Schutz in Bremens Frauenhäusern, etwa jede zehnte Frau bekommt kein Geld vom Amt.

"Wir schicken niemanden weg", sagte Karin Schmidt, Mitarbeiterin des Autonomen Bremer Frauenhauses. "Lieber verzichten wir auf das Geld oder sammeln Spenden." Schwierig werde es, wenn gleichzeitig fünf Frauen Zuflucht suchen, die nicht finanziert seien. Auf den ALG-II-Antrag müssten die Frauen schon im Aufnahmegespräch hingewiesen werden, so Schmidt. "Dabei haben sie ganz andere Sorgen. Sie kommen vielleicht direkt aus dem Krankenhaus, sind müde und hungrig." Eine Förderung des Frauenhauses als Institution sei wünschenswert. Vor zehn Jahren aber, als es die noch gab, habe das Geld auch nicht gereicht.

"Es ist pervers, dass für die Finanzierung der Häuser deren Auslastung stimmen muss", sagt Claudia Bernhard, Abgeordnete der Linken. Und: "Dass die Frauen in der Situation zum Jobcenter gehen müssen, ist ein unhaltbarer Zustand."

Auch Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) sieht Probleme bei der Finanzierung der Frauenhäuser: "Dass eine Studentin keinen Anspruch hat in Bremen in ein Frauenhaus zu gehen, das darf nicht sein", sagte die Senatorin in der Bürgerschaft. Bremen biete zahlreiche Hilfsangebote, aber es müsse überprüft werden, ob Strukturen auch neu organisiert und besser vernetzt werden sollten.

Auch Sandra Ahrens, die frauenpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, teilt das Anliegen der Linksfraktion. Es sei richtig, die Finanzierung der Frauenhäuser zu fordern, dies aber reiche nicht aus: "Der Notruf für vergewaltigte Frauen hat bereits seit einem Jahr eine Warteliste. Es werden sehr viele Frauen mit Migrationshintergrund beraten, sie bräuchten mehr Mitarbeiterinnen mit Fremdsprachenkenntnissen", betont Ahrens.

Nicht alle Frauen suchen sich Hilfe bei häuslicher Gewalt. Nur elf Prozent der Frauen kommen bei den Hilfseinrichtungen an. Im Land Bremen bieten vier Frauenhäuser Schutz für 123 Frauen - auch für deren Kinder. Etwa die Hälfte der Frauen hat einen Migrationshintergrund. Viele Frauen bleiben nicht länger als drei Monate, die meisten sind zwischen 21 und 29 Jahre alt.

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