: Unsoziale Pläne
■ betr.: „Der Bundeshaushalt als Wahlkampfthema“, taz vom 16.7.94
Theo Waigel holt seine alten Sparpläne wieder aus der Schublade: Der Bundesfinanzminister will, daß Menschen, die länger als zwei Jahre arbeitslos sind, künftig nur noch Sozialhilfe bekommen! Vor einem halben Jahr hat die SPD durch ihre Mehrheit im Bundesrat diese Sozialkürzungen noch verhindert. Tagelang wurde über das Sparpaket im Vermittlungsausschuß verhandelt und schließlich ein Kompromiß gefunden. Wenn die CDU/FDP-Regierung jetzt wieder ihre unsozialen Pläne vorlegt, ist das eine Verhöhnung der demokratischen Instanz Vermittlungsausschuß. Waigel schert sich nur ein halbes Jahr später einen Dreck um den damaligen Kompromiß.
Aber es ist auch eine Verhöhnung arbeitsloser Menschen. Welcher Arbeiter etwa, der über 50 Jahre alt ist, findet heute noch einen neuen Job? Die Regierung sollte lieber Arbeitslose in Arbeit bringen – und nicht ihre Bezüge aufs Existenzminimum streichen. Jedes halbe Jahr müssen diese aber aufs neue bangen, ob von ihrem Arbeitslosengeld nicht wieder etwas weggekürzt wird. Kohls Minister haben diese Sorgen nicht: Wenn sie nach der Bundestagswahl im Oktober (hoffentlich) arbeitslos werden, fallen sie auf dicke Geldpolster. Dennoch: Diesen Luxus sollten wir uns leisten. Markus Grill, Merzhausen
Umverteilung gegen rechts
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen